Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Das sind diese kleinen Faltheftchen, die sich ohne Kleben oder Heften aus einer Seite A4 falten lassen und ein kleines Heft mit 8 Seiten ergeben.
Die Produktion des Inhalts für so ein Heftchen ist ja nicht das Problem. Die acht Seiten lassen sich mit allen produzieren, was Du an Software da hast. Wichtig ist nur, dass Du hinterher ein PDF mit acht Seiten im Format A4 hast.
Alles, was Du sonst noch brauchst, ist ein Tool, dass sich pdflatex nennt. Das ist Bestandteil einer Installation des Softwarepakets TEX bzw. LATEX, wahrscheinlich das bekannteste Satzsystem der Computerwelt.
Dieses Kommandozeilen-Tool sorgt dafür, dass in einem neuem Dokument die acht Seiten aus dem Ausgangs-PDF gelesen und in der richtigen Reihenfolge und Orientierung zusammengebaut werden. Wie Du an dieses Tool kommst, beschreibe ich weiter unten.
Dazu brauchst Du ein kleines TEX-Script, das ich hier verlinkt habe. Du kannst den Text des Scripts aber auch hier unten auf der Seite ansehen.
pdflatex '\def\thefilename{achtseiten.pdf} \input{pocketmod.tex}' aus, wobei Du den Namen achtseiten.pdf durch den Dateipfad zu Deiner PDF-Datei ersetzt.pocketmod.pdf in dem Ordner.Die Ausgangsseite (mit Seitennummern zur Orientierung)

Zuerst faltest Du das Blatt an der langen Seite bis zur Mitte.

Wieder auffalten und einmal an der kurzen Seite bis zur Mitte falten.

Wieder auffalten und jeweils von rechts und links die Hälften bis zum Mittelfalz einfalten.

Nun mit einer Schere den Längsfalz zwischen den Seiten 4 und 7 aufschneiden (also zwischen den mittleren vier Seiten)

So sollte das jetzt aussehen.

Jetzt sauber zusammenlegen und nachfalzen, damit die Kanten passen

Die äußeren Seiten einklappen

So sieht das fertige Faltheftchen aus.

Wenn Du Linux verwendest, ist das TeX-System möglicherweise schon bei der Installation mitgekommen. Das kannst Du ganz einfach testen: öffne ein Terminal-Fenster und gib das folgende Kommando ein:
which pdflatex
Wenn Du als Ausgabe einen Pfadnamen erhältst, dann ist pdflatex bereits verfügbar. Erfolgt keine Ausgabe, dann musst Du die Tools noch installieren. Bei fast jeder Linux-Distribution hast Du mittlerweile einen grafischen Manager für die Softwarepakete. Wenn Du diesen öffnest, kannst Du nach den folgenden Paketen suchen und diese installieren:
Wenn Du das über die Kommandozeile machen möchtest und ein Linux wie Ubuntu nutzt, das den apt Paket-Manager nutzt, dann solltest Du diese Kommandos ausführen:
sudo apt-get install pandoc
sudo apt-get install texlive-latex-base
sudo apt-get install texlive-fonts-recommended
sudo apt-get install texlive-fonts-extra
sudo apt-get install texlive-latex-extra
Auf dem Mac solltest Du als Paketmanager das Tool Homebrew nutzen, dass Dir eine ganze Menge Arbeit abnimmt. Damit ist die Installation ebenso einfach:
brew install basictex (wenn Du nur ein minimales Basispaket nutzen willst)
oder
brew install texlive
Ich habe keine Ahnung. 😎 Ich habe privat seit 2005 nichts mehr von Microsoft und auch kein Windows mehr.
Netterweise gibt es aber eine deutschsprachige Anleitung von DANTE e.V. (die “Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX” e.V. wurde am 14. April 1989 in Heidelberg gegründet). Diese findest Du unter diesem Link.
Die findest Du unter der URL https://tug.org/texlive/acquire.html
Soweit der Teil. Als Bonus zeige ich noch, wie Du das achtseitige Ausgangs-PDF auch bequem mit einem einzigen Kommando aus einer Markdown-Datei erstellen kannst.
Erstelle einfach eine Markdown-Datei und trenne die einzelnen Seiten durch das Kommando \newpage. Das Beispiel unten zeigt das für die ersten drei Seiten:
# Die Titelseite
Hier steht der Titel für Dein PocketMod.
\newpage
# Seite 2
## Das Blog von Armin Hanisch
Titel: "_Zollkiesel statt Meilensteine_"
URL: https://arminhanisch.de
Beschreibung: das Blog von Armin mit vielen interessanten Posts. :wink:
\newpage
# Dritte Seite
Natürlich kannst Du hier alles nutzen, was Markdown anbietet, auch Bilder und Aufzählungen, Zitate und und und ...
\newpage
Für diesen Artikel nehme ich an, dass der Namen dieser Datei eingabedatei.md lautet. Jetzt können wir die mit dem Tool pandoc ganz einfach in ein PDF konvertieren:
pandoc eingabedatei.md --standalone -o achtseiten.pdf --variable geometry:margin=0.5cm
Diesen Aufruf von pandoc in einer einzigen Zeile eingeben und bei Bedarf die Dateinamen anpassen. Ich habe als zusätzlichen Parameter noch angegeben, dass in den erzeugten Seiten ein Rand von einem halben Zentimeter eingehalten werden soll. Könnt Ihr weglassen oder mit anderen Werten experimentieren, wie Ihr wollt.
pandoc ist das universelle “Schweizer Taschenmesser” für die Konvertierung von einem Textformat in ein anderes. Mehr dazu erfährst Du auf der Seite des Projekts unter der URL https://pandoc.org
Die Installationsanleitung für die einzelnen Betriebssysteme findest Du hier oder über den Link auf der Homepage des Projekts. Auch hier gilt: für Linux am einfachsten den Softwarepaket-Manager nutzen, unter MacOS am einfachsten homebrew verwenden.
Inspiriert zu diesem Blogpost hat mich Nele Hirsch vom eBildungslabor mit Ihrem Post zu “Linkheftchen”. Sie hat zur Erstellung des Tools, das unter https://linkheftchen.de erreichbar ist eine KI-Software benutzt. Den Blick hinter die Kulissen gibt es hier. Was mir dabei auffiel: Nele meint, sie hat über sechs Stunden investiert und dabei etwa 20-30€ an Tokens für die “KI” verbraten.
Aus diesem Grund wollte ich zeigen, dass es meiner Meinung nach viel einfacher ist, bestehende und erprobte Tools nutzen, die frei verfügbar sind und den oben genannten Betrag lieber an die Projekte zu spenden und die Entwicklung zu unterstützen.
Der Vollständigkeit halber hier der Inhalte des Scripts direkt im Blogpost:
% Based on a tex script
% at https://tex.stackexchange.com/a/452927 by Ulrike Fischer
% Retrieved 2026-02-10, License - CC BY-SA 4.0
% changed page order, orientation, removed code parts, use parameter
\documentclass{scrartcl}
\usepackage{pdfpages, expl3}
\usepackage[a4paper, landscape, margin=0pt]{geometry}
\parindent=0pt
\lineskip=0pt
\ExplSyntaxOn
\makeatletter
\newcommand\myangle{
\bool_if:nTF
{
\int_compare_p:n { \AM@page = 1 } ||
\int_compare_p:n { \AM@page = 8 } ||
\int_compare_p:n { \AM@page = 7 } ||
\int_compare_p:n { \AM@page = 6 }
}
{ 180 }
{ 0 }
}
\ExplSyntaxOff
\begin{document}
\includepdf[pages={1,8,7,6,2,3,4,5}, % order
nup=4x2,
angle=\myangle]{\thefilename}
\end{document}
Aufgerufen wird das dann folgendermaßen:
pdflatex '\def\thefilename{achtseiten.pdf} \input{pocketmod.tex}'
Der erste Befehl nach pdflatex definiert den Namen der achtseitigen PDF-Datei (hier wie oben bereits beschrieben achtseiten.pdf, bei Bedarf anpassen). Der zweite Befehl lädt das Script von oben.
Mein persönliches Fazit: Ich war Ende der 80er zu Uni-Zeiten echt fit in TEX bzw. LATEX. Und ich habe fast alles vergessen. Diesen Blogpost zu schreiben bzw. das passender Script zu finden war wie der Gang in eine verstaubte Bibliothek, in der fast vergessene Schriften auf das Licht und einen Leser warten. 😉
Ansonsten: Egal, welche Tools Ihr benutzt, um ein PDF zu erstellen, für das Ausdrucken als PocketMod ist nun kein besonderes Template oder das Jonglieren mit mehreren Seiten in einer Anwendung notwendig, sondern Ihr bekommt ein Faltheftchen mit einem einzeiligen Kommando. Viel Spaß beim Heftchen bauen!
Ich erhielt am Samstag einen sehr interessanten Kommentar, der eine Möglichkeit zeigt, wie sich auch die Rückseite nutzen lässt. Ja, es gibt eine Möglichkeit, auch die Rückseite zu nutzen und ein Faltheftchen mit 16 Seiten zu erstellen. Hier ist der Blogpost dazu.
Lizenz für diesen Post CC-BY-SA 4.0