Die Speicher-Explosion

Ich habe letzte Woche ein Angebot von Jeff’s kleinem Bauchladen bekommen: eine MicroSD-Karte mit 400 GB für knapp 100 Euro. Vierhundert Gigabyte! Auf einem daumennagelgroßen Speichermedium! Für 100 Euro! OK, genug der Ausrufezeichen-Spielerei. Für alle, die sich wundern, warum der Autor geraden kurz vor der Schnappatmung steht: meine ersten «Massenspeicher» waren 8 Zoll Disketten (mit 180KB – ja, Kilobyte) Anfang der 1980er. Das ist ein langer Weg von 180KByte auf 413cm2 zu 400GByte auf 1,65cm2 ;-)

Das IBM 350 Disk Storage System war die erste kommerziell erhältliche (nur Miete, nicht kaufbar) Festplattensystem. Und es stammt aus dem Jahr 1956! Mit einer Größe von 152x74x172cm (LxBxH) war es nicht wirklich «klein», dafür aber die speicherbare Informationsmenge: 5 Millionen 6-Bit Zeichen, also 3,75 Megabyte. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse also in etwa ein einzelnes Smartphone-Foto!

60 Jahre Speichergeschichte

60 Jahre Massenspeicher-Entwicklung in einem Bild:
109.227 x so viel Speicher in 1.682.309 x weniger Volumen

Bei der Diskussion mit meinen jungen Kolleginnen und Kollegen im Büro fiel mir dann auf, dass es mit einer bildlichen Vorstellung von Speichermengen nicht allzuweit her ist. Verständlich, wenn man in den 90ern geboren wurde. Im Gespräch mit Schülern fiel mir dieses Fehlen von Bezugsgrößen oder Analogien ebenfalls auf. Daher dieser Blogpost, der früherer und heutige Speichermengen hoffentlich anschaulich verdeutlich.

Fangen wir bei den «Klassikern» an: alle Werke, die Shakespeare jemals geschrieben hat, sind etwa 5,5 Megabyte groß als Textdatei. Damit belegt das vollständige Werk des Barden auf einem modernen Smartphone in etwas so viel Platz wie ein Foto. Wer etwas leichtere Kost bevorzugt: «Vom Winde verweht» ist in etwa einienhalb Megabyte groß, geht also gerade nicht mehr auf eine der alten 3.5 Zoll (8,89cm) Disketten (die hatten üblicherweise eine Kapazität von 1,44 Megabyte)

Das nächste wäre dann 1 Gigabyte (1024 Megabyte). «Naja, ein 132 iPhone» würde meine Tochter sagen. :-)
Oder aber ca. 250.000 bedruckte Textseiten im Format DIN A4. Das sind zweieinhalb Europaletten (s. Abbildung) voll mit Papier! Die wiegen dann übrigens ca. 560 kg (pro Palette!), so dass 1 Gbyte Text fast eineinhalb Tonnen «wiegt» …

1 Gigabyte sind auch ca. 711 Disketten (3.5“/1.44 Megabyte). Das ist ein Stapel aus 3.5“ Disketten, der ca. 2,35 Meter hoch ist.

Damit entsprechen die 400 Gigabyte der einen MicroSD-Karte 1000 Euro-Paletten bedrucktem Kopierpapier
(und würden in dieser Form 560 Tonnen wiegen; in etwa so viel wie 110 Elefantenbullen) und einen Raumbedarf von 1.800 Kubikmetern haben. Wieviel das in etwas ist? Mehr als ein durchschnittliches Becken in einem Freibad (50m lang, 25m breit)!

Um die 400 Gigabyte auf einer der Standard-Festplatten der 80er (einer Seagate ST225) mit einer Kapazität von ca. 21 Megabyte zu speichern, benötigen wir ungefähr 19.500 Festplatten.
 Diese benötigen ca. 25 Kubikmeter an Platz, also einen vollgepackten Transporter der 7,5t-Klasse.

Was kommt danach? 1 Terabyte (also 1024 Fiat Ducato voll mit bedrucktem Papier 😄 ). Als Disketten will das niemand mehr aufheben, denn der Stapel aus Disketten wäre dann ca. 2406 Meter hoch. Wer zuhause im NAS eine Kapazität von 4 Terabyte hat (nichts ungewöhnliches heutzutage), hat den Mount Everest diskettenmäßig also bereits geschlagen. Sind Sie bereit, etwas über 1500€ auszugeben (Stand Mitte 2018), dann bekommen Sie ein NAS mit einer Kapazität von 32 Terabyte. Das reicht für ein langes, verregnetes Wochenende: in etwa 7300 DVDs benötigen 32 TByte. Oder eine große Schubkarre mit 16 GByte USB-Sticks (2048 Stück).

Diese 32TByte erlauben die Speicherung von etwa 12,5 Millionen Smartphone-Fotos (also JPG mit ca. 5 MByte). Wenn Sie jede Stunde eines Tages ein Foto machen und das an jedem Tag im Jahr, dann reicht das für ca. 1400 Jahre. 😄

Nach dem Terabyte kommt das Petabyte (1024 Terabyte). Das sind langsam Datenmengen, die im privaten Bereich nicht mehr anfallen. In Wissenschaft und Wirtschaft existieren aber durchaus Datenbanken im Petabyte-Bereich. So hat die Bandbibliothek des CERN in Genf für die Suche nach dem Higgs-Boson eine Kapazität von 200 Petabyte (bei der Forschung fallen an zu archivierenden Daten ca. 1,1 GByte pro Sekunde(!) an). Nach Angaben von TheNextWeb benötigte der Film «Avatar» von 2009 mehr als ein Petabyte lokalen Plattenspeicher für das Rendering der CGI-Effekte. Nach Schätzungen von Neurologen besitzt das menschliche Gehirn umgerechnet in «binäre Bandrecorder-Kapazität» eine Speicherkapazität von 2,5 PByte. Bereits 2009 verarbeitete Google ca. 24 PByte pro Tag!

Mit dem Exabyte wird es dann auch schwierig, sich diese Informationsmengen bildhaft vorzustellen. Die Menge aller jemals von allen je lebenden Menschen gesprochenen Worte wird auf etwas mehr als 5 Exabyte geschätzt. Dieser Artikel von PC Mag nennt für 2010 einen Internetverkehr von 21 Exybyte pro Monat. Wenn Sie einen Windows-Rchner benutzen, dann liegt die maximale Dateigröße für eine Datei im NTFS-Dateisystem übrigens bei 16 Exabyte. Das sollte auch für einen langen Blogpost ausreichen 😂 😂

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