Warum überhaupt Kommentare?

Warum ich hier Kommentare deaktiviert habe

Den Anstoß, in diesen interessanten Zeiten endlich wieder mal einen Blogpost zu schreiben, hat heute ein Thread auf Twitter gebracht. Bob Blume1 twitterte über einen Artikel in SPIEGEL online und lobte das, was eigentlich schon lange selbstverständlich ist: die Diskussion über Medien-Inhalte.

Tweet von Bob "Reaktionen auf den Artikel zu drucken und dann mit dieser Überschrift, finde ich gut. Danke ⁦
@derspiegel"

Nun ist das pädagogische Personal in unserem Lande nicht gerade eine Zielgruppe, zu der niemand eine Meinung hat und die weitgehend unbeobachtet vor sich hin werkelt. Schließlich war fast Jede und Jeder mal Schüler und ist damit eine Koryphäe. Seltsam nur, dass ebenso fast alle schon mal krank waren, sich aber dennoch nicht auf den nächsten Chefarzt-Posten der nächsten Klinik bewerben. Aber ich schweife ab … 😉 Es ist aber durchaus verständlich, dass dies so solchen Reaktion führt:

Die Kommentare lese ich bei Artikeln nicht mehr,
denn meist geht es nicht um Austausch,
sondern um Absonderung von Vorurteilen.
Da kann ich besser ohne sie leben.
Bob Blume

Darauf kam die für mich entscheidende Frage von Matthias, dem sehr geschätzten @Herr_Mess auf Twitter2

Tweet von herr_mess "Sehr schade eigentlich. Wozu dann Kommentare?"

Meine Frage wäre «wo und wie dann Kommentare» gewesen3. Was ist denn ein Kommentar und wer definiert das? Die Duden-Redaktion ist dieser Meinung:

Duden-Eintrag "Kommentar"

Ich habe in meiner Online-Zeit als Mailboxbetreiber, Moderator, Blogger und SocialMedia-Nutzer die Erfahrung gemacht, dass sich Kommentare, die abgesendet werden (und verwaltet, bearbeitet werden müssen), in diese vier Gruppen einteilen lassen.

  1. Ein Teil der Kommentare sind Wertungsaussagen («cooler Post», «so ein Stuß»), im Prinzip also ein 👎🏼 oder 👍🏼.
  2. Ein anderer Teil ist wie bei Bob erwähnt die Verbreitung des eigenen Weltbilds/Standpunkts.
  3. Ein (nicht zu unterschätzender) Teil ist «Kommentar-Spam», der auch bearbeitet werden muss.
  4. Der letzte Teil ist die tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Thema und ehrliches Interesse am Austausch.

Als ich im Zuge der DSGVO-Umstellung mein Blog überarbeitet, habe ich zu technischen Aspekten von Kommentaren Artikel (Teil 1 und Teil 2) geschrieben. Dieser Post hätte eigentlich Teil 3 der Serie sein sollen. Warum? Weil ich mittlerweile fast keine Kommentare im Blog mehr zulasse. Und warum das? Von 50 Kommentaren, die ich bekomme, sind etwa 35-40 aus der Gruppe 3, also meist automatisiert erstellt und gleich zu löschen. Ungefähr ein weiteres halbes Dutzend gehören in die Gruppe 1. Das ist nett (oder nicht), trägt aber nicht zur Weiterentwicklung des Themas oder meiner Weiterbildung bei und würde auch nicht veröffentlicht. Da ich nur ein kleiner Account auf Twitter bin, gibt es aus der Gruppe 2 glücklicherweise nur keinen oder zwei, drei Kommentare. Um gegen festgefügte Vorurteile und Weltbilder zu argumentieren, ist mir meine Zeit zu schade, daher auch nichts einfügenswertes (diese Leute dürfen gerne ihr eigenes Blog eröffnen und selbst veröffentlichen). Damit bleiben von 50 Kommentaren einer oder zwei übrig, die ich gerne lese, von denen ich etwas lerne bzw. die ernsthaftes Interesse am Thema zeigen.

Jetzt kommt der Punkt: genau das bekomme ich auch auf Twitter oder per Mail. Wer nämlich so interessiert ist, macht sich auch die Mühe und schreibt eine Mail oder einen Tweet. Ja, es ist natürlich einerseits schade, dass sich das damit «zerfasert» und nicht mehr schön wie früher zu Zeiten der ersten Blogs alles an einem Platz liegt. Anderserseits erfahre ich beispielsweise über Twitter Kommentare (ja, natürlich auch aus den ersten drei Gruppen – das ist social media, was dachten Sie denn? 🤪) zu Blogposts, die mir sonst völlig entgangen wären. Deshalb mein Vorschlag, die Frage «Wo und wie denn Kommentare?» zu stellen. Genau das ist ja Schöne am Web – Hypertext und Links! Es ist alles nur einen Klick weit weg, da ist es unerheblich. Und es ist alles schnell überblättert, sollten «Kommentare», die eigentlich keine sind, nerven. Ich gebe aber gerne zu, dass ich wie Bob reagiere, wenn sich bei Kommentaren zeigt, dass niemand wirklich an einer echten Auseinandersetzung interessiert ist oder niemand Einfluss auf die Weiterentwicklung des Themas bzw. eine Veränderung hat.

Eine Diskussion über «leisten Lehrerinnen und Lehrer genug» ist müßig. Kein Kommentar hier wird irgendetwas ändern. Alle sind Individuen. Jeder hat immer irgendeine Erkenntnis und auch Hattie lässt sich falsch verstehen. Dass solche «Diskussionen» möglich sind, zeigt nur eines: dass wir uns «First World Problems» noch leisten können, während in anderen Ländern Lehrer erschossen werden, Schulen gar nicht vorhanden sind. Und das es Lehrer gibt, die so engagiert sind, dass sie TEXTVERARBEITUNGEN MIT KREIDE AN DIE TAFEL MALEN, um ihren SuS zu zeigen, was Sie später benötigen werden! In diesem Sinne also danke an Bob und Matthias für den Anstoß, endlich die «Schreibpause» zu überwinden und ich freue mich auf echte Kommentare per Mail oder auf Twitter!



  1. Wer https://twitter.com/blume_bob noch nicht auf Twitter folgt und sich für Bildungsthemen interessiert, sollte das meiner Meinung nach tun. Klare Folgeempfehlung.
  2. Wie jemand neulich schrieb: für mich der Altphilologe auf Twitter und wer sich für Latein, Griechisch, aber auch Englisch und zeitgemäßgen Unterricht interessiert: ebenfalls ein «must follow«: https://twitter.com/herr_mess
  3. Ich weiß, das liest sich wie dieses Bonmot über den seligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der mal die Frage eines Spiegel-Reporters mit einem «die Frage ist falsch gestellt, sie müsste lauten…» beantwortet haben soll. Dennoch; ich glaube daran, dass bestimmte Kommentare wichtig und anregend sind. Aber lesen Sie weiter …
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