Bloggen mit Word?

Leserinnen und Leser meines Blogs wissen, dass ich ein großer Freund von offenen und einfach zu verarbeitenden Dateiformaten bin. Für den Bereich der Textproduktion für ein Blog ist das beispielsweise Markdown1. Stop! Bevor Sie jetzt weiter klicken – nein, es geht nicht um Markdown in diesem Post! 😄 Es geht darum, dass digitale Souveränität und Teilhabe wichtig ist. Wenn das mit einem anderen Ansatz als Markdown und einer Blogsoftware wesentlich einfacher geht, dann muss es eben nicht Markdown sein. Der Ansatz, den ich hier vorstelle, ist einfacher und besitzt vor allem für die Verwendung im Bildungsbereich den Vorteil, auf ein Werkzeug zu setzen, das weit verbreitet ist2.

Vor ein paar Tagen bin ich in meiner Timeline auf Twitter auf einen Tweet von Darren Bruning gestoßen, den Scott Hanselman3 retweetete.

Der Tweet von Darrren]

Oh, das klingt interessant. Die Überschrift beim Aufrufen der Seite klingt auch schon mal gut.

The World's Easiest Blog System. Edit your blog posts in Word. Store them in OneDrive. We'll publish them automatically as your very own blog.

Übersetzung: Das einfachste Blogsystem der Welt. Schreiben Sie Ihre Blogposts in Word. Speichern Sie diese in OneDrive. Wir publizieren sie automatisch als Ihr ganz persönliches Blog.

Gesagt, getan. Auf https://madethis.blog gegangen, angemeldet (es gibt aktuell erst die freie «personal»-Variante, da es sich bei dem Projekt von Darren um ein Startup handelt. Der Mann sitzt übrigens in Neuseeland, sollten Sie also eine Frage haben, rechnen Sie die zwölf Stunden Zeitverschiebung ein 😉 Und in der Tat, es ist so einfach wie beschrieben:

  • Account erstellt
  • Einen Ordner in meinem OneDrive einrichten lassen
  • Die Beispieldatei mit Word geöffnet, abgeändert, gespeichert

Keine 30 Sekunden später war unter https://arminhanisch.madethis.blog mein «Word-Blog» live. OK, das ist schnell und einfach. Einfach eine Datei in Word schreiben und nach dem Speichern im OneDrive-Ordner ist das ein Blogpost.

Blogpost in Word

Über einen vorangestellten Unterstrich lassen sich auch Seiten (z.B. «Über» oder ein Impressum) erstellen, die nicht in der Blogliste auftauchen. Für ein «MVP» (minimum viable product, Erklärung) ist das beeindruckend4.

Ich habe mit Darren bereits ein paar Mails ausgetauscht. Seine Prioritäten liegen verständlicherweise jetzt erst darin, das Produkt «feature-complete» zu bekommen und die versprochenen Premium-Möglichkeiten einzubauen. Dann die Werbetrommel rühren und versuchen, die ersten Nutzer zu finden. Stellt sich dann heraus, dass die Idee Erfolg verspricht (was ich stark annehme), dann ist natürlich auch eine Lokalisierung geplant. Ich habe Darren bereits meine Hilfe angeboten. Ich denke, dass dies eine Möglichkeit ist, einige LuL zum Bloggen und Teilen ihrer Ideen und Erfahrungen zu bewegen. Keine Installation, kein Webspace organisieren, kein Hätscheln irgendwelcher Server und kein Einarbeiten in unbekannte Dateiformate und Workflows. Wenn danach das Interesse wächst und unter Umständen die Bedürfnisse, steht einem Umstieg ja nichts im Weg. Auch das Produkt von Darren verwendet ein Framework, dass als open source verfügbar ist5. Wichtig ist es, Möglichkeiten zur digitalen Teilhabe in die Breite der Bildungslandschaft zu tragen. Dies ist meiner Meinung nach eine solche, die eine für große Teile der deutschen Bildungslandschaft eine extrem flache Lernkurve hat.

So, zum Ende hin noch der Absatz, den die bereits mit Äxten und Fackeln vor dem Rechner auf und ab springenden Datenschutz-Puristen erwarten. Ja, der EuGH hat die Privacy Shield Vereinbarung gekippt. Ja, man kann darüber diskutieren, ob sich Office bzw. Office 365 datenschutzkonform betreiben lassen. Tatsache ist aber, dass Office und OneDrive (nicht nur in Deutschland, schließlich ist die DSGVO eine EU-weite Regelung) verwendet und genehmigt werden. Meiner Meinung ist es besser, auf eine solche Möglichkeit wie madethis.blog hinzuweisen (und nötigenfalls eine Diskussion und eine Weiterbildung zu diesen Themen anzuregen), als dies nicht zu tun. Wie es einer meiner Lehrer (shout-out an «Fuzzy» [der Spitzname muss hier reichen], den immer noch regierenden König der Tafelbilder!) immer ausdrückte: «je krasser, desto Beispiel!». Also: solange es Leute gibt, die sich per WhatsApp oder Facebook über die Corona-Warnapp beschweren, so lange sind wir mit der informatischen Grundbildung noch nicht durch und es gibt deutlich Schlimmeres als ein Blog mit Word zu schreiben. 😉

Fazit: falls die geneigte Leserin das interessant findet, anmelden, ausprobieren, eine eigene informierte Entscheidung treffen und gegen die Reifen treten. Darren freut sich in dieser frühen Phase über Feedback und wo besteht schon mal die Möglichkeit, die Entwicklung eines Produkts früh beeinflussen zu können?



  1. Ich habe hier und hier schon mal geschrieben, warum ich das für ein sinnvolles Vorgehen halte. Viel Spaß beim Lesen!
  2. Jaja, ich weiß. Die bösen Datensammler. Lassen wir diesen Aspekt mal beiseite (auch mit dem Hintergrund der letzten EuGH-Entscheidung zum Privacy Shield), denn Lehrerinnen und Lehrer werden nicht von heute auf morgen Ihre Word-Installation löschen, wenn sie jetzt damit arbeiten. Damit besteht aber die Chance, jemand davon zu überzeugen, dass Austausch, Vernetzung und Online-Communities vorteilhaft sind. Das ist erstrebenswert, weil damit dann auch die IT-Kompetenz wächst, um das Vorige beurteilen und anwenden zu können.
  3. Scott auf Twitter folgen (https://twitter.com/shanselman) ist «required reading» für jeden, der in der IT oder der digitalen Bildung unterwegs ist. Aber wer mein Blog liest, weiß das schon lange 😉
  4. Ich habe meine Word-Datei als Blogpost mal bei https://webbkoll.dataskydd.net/de analysieren lassen und für ein Rohprodukt sieht das ganz ok aus (die Google-Fonts und Youtube-Images, keine Cookies). Immer daran denken, das ist ein «work in progress».
  5. Die Bibliothek stammt von Michael Williamson und nennt sich «mammoth». Wer da gerne selbst an der Konvertierung von docs-Dateien nach HTML basteln möchte: https://mike.zwobble.org/projects/mammoth/
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