Ten Years After — eine andere Nachlese

Was ein GAU mit einem Virus zu tun hat

Heute vor zehn Jahren trat nach 25 Jahren das ein, was erst 999.975 Jahre später geplant war. Laut Aussagen der Nuklearwirtschaft gibt es einen GAU schließlich nur einmal in einer Million Jahren. Aber – oopsi – die Statistik ist ein kleines Scheisserchen und verteilt das nicht gleichmäßig. Nach einem Seebeben und dem dazugehörigen Tsunami zeigten die Reaktorblöcke von Fukushima Daiichi schnell, wie beherrschbar menschliche Installationen von Kernkraftwerken sein können.

Fukushima by pasukaru76 «Fukushima» by pasukaru76 is marked under CC0 1.0

Es gibt bestimmt zum heutigen Tag mehr als genug Artikel zum Ablauf, den Langzeitwirkungen und dem Leid, das der Tsunami neben der Nuklear-Katastrophe verursachte. Dazu der Verlust der kompletten Infrastruktur im betroffenen Gebiet. Das Bild unten zeigt das, was einmal ein Baseball-Stadion war. Noch immer werden ca. 2500 Menschen vermisst, von denen die Angehörigen nicht einmal wissen, wie ihre letzten Stunden und Minuten aussahen.

Flooded Takata Matsubara Baseball Field #eqjp «Flooded Takata Matsubara Baseball Field #eqjp» by kawanet is licensed with CC BY 2.0

In diesem Post geht es mit um etwas anderes. Etwas, dass Colonel Arthur D. „Bull“ Simons1 einmal angeblich so bezeichnete:

Jedes Mal, wenn ich einen Staatsmann suche,
dann finde ich nur einen Politiker
Col. Arthur D. Simons

Es zeigt sich in Krisensituationen immer wieder, dass die überwältigende Mehrheit der politischen Klasse nicht gerade den Respekt von Col. Simons ernten würde. Reaktiv statt proaktiv, immer mit dem Blick auf die nächsten Wahlen (ich wage zu bezweifeln, dass Luther mit seinem Satz «man muss dem Volk aufs Maul schauen» eine solche Haltung gemeint hat) und um möglichst großes «security theatre» bemüht, um geistige Windstille durch operative Hektik zu ersetzen.

Ich habe damals einige Aussagen von der Kanzlerin und anderen Politikern gesammelt und jeweils vor und nach Fukushima gegenüber gestellt. Da zeigt sich die «strategische Weitsicht» und das «Vorausdenken» so schön, dass es eine Freude ist (NOT). Danach haben es alle natürlich schon immer gewusst und die Erkenntnis kam über sie alle wie ein Geistesblitz. Anders als mit Ironie kommst Du da nicht mehr weiter. Viel Spaß beim Lesen der folgenden Zitate. Besonders der «rhetorische Wendekreis» von Markus Söder ist bemerkenswert.

Aussagen von mappus


Aussagen von bruederle


Aussagen von kauder


Aussagen von seehofer


Aussagen von merkel


Aussagen von soeder

Was das mit der COVID-Pandemie zu tun hat? Die Parallelen zum Vorausdenken und die Haltungen in der derzeitigen Pandemie überlasse den Leser:innen zur Übung. 😉


Banner-Bild: Digital Globe, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons


  1. Colonel Simons wurde 1979 von Ross Perot, dem CEO von Electronic Data Systems Inc., um Hilfe gebeten, da zwei Angestellte des Unternehmens im Iran in Gefangenschaft geraten waren. Im Februar 1979 er zusammen einer kleinen Gruppe ehemaliger US-Special-Forces-Kräften einen Aufstand in Teheran, um das Gazre-Gefängnis zu stürmen. Simons und seine Gruppe flohen 720 Kilometer vor dem iranischen Militär in die Türkei und kehrten später in die Vereinigten Staaten zurück. Mehr zu Colonel Simons: https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_D._Simons
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