Authentisch sein auf Twitter

Noch eine Einführung in Twitter? Srsly?

Es gibt jede Menge Einführungen zu Twitter. Diese beschäftigen sich allerdings eher mit dem Warum und Twitter selbst. Wie folge ich jemand, wie schreibe ich bzw. erwähne jemand, was sind Hashtags und andere Dinge. Ich möchte an dieser Stelle aber auf das «Wie» eingehen und einige Tipps zum Aufbau eines eigenen Auftritts auf social media im Allgemeinen bzw. Twitter im Besonderen geben. Sollten Sie die Liste der Einführungen dennoch vorher lesen wollen, dann können Sie die Liste der Posts hier Einblenden 🔽

Du bist eine Marke

Diese Zwischenüberschrift lässt sich im Deutschen je nach Tonfall so oder so lesen 😉 Ich meine allerdings die «Marke» wirklich im Sinne des Marketings. Jeder Auftritt auf Social Media dient einem Zweck, auch wenn es sich um einen privaten Auftritt handelt. Auch wer nur privat seine Katzenbilder mit der Welt teilen möchte, verfolgt einen Zweck, nämlich genau diesen (und ich kann mir wesentliche schlechtere Motivationen vorstellen, als die Welt mit Katzen-Content zu beglücken 😆)

Dieser Post ist daher im Gegensatz zu den oben aufgelisteten Einführungen eher eine Art Ratgeber, wie sich eine Präsenz in den sozialen Medien (ich verwende Twitter hier als Beispiel und jede Plattformen besitzt noch einmal eigene Aspekte, die beachtet sein wollen, aber das ist ein anderer Post).

Zielgruppe

Die erste Frage: warum bist Du auf Twitter? Willst Du interessante Dinge lesen, Katzenvideos sehen, Deine Kenntnisse zur Schau stellen, ein persönliches Lern-Netzwerk aufbauen, mit Gleichgesinnten zu einem Thema diskutieren oder Dich beruflich weiterbilden? Dies alles und viel mehr sind valide Gründe für eine Präsenz auf Twitter. Entgegen der landläufigen Meinung ist es auch keinesfalls notwendig, viel Inhalt zu produzieren oder täglich mindestens eine bestimmte Anzahl von Tweets abzusetzen. Das kommt ganz auf die Zielsetzung an. Ich kenne einige Leute auf Twitter, die kaum mal etwas twittern, aber dennoch einer Menge von Leuten folgen und lesen und lernen.

Auf welchen Plattformen willst Du aktiv sein? Gibt es unterschiedliche Zielgruppen pro Plattform? Das sind die nächsten beiden Fragen? Um bei Twitter als Beispiel zu bleiben: wer vorhat, fast nur kurze Videos zu posten, ist eventuell mit einer Plattform wie TikTok besser bedient. Nicht, dass sich kurze Videos nicht auch auf Twitter posten lassen, aber das Image von Twitter und die üblichen Erwartungen an den Inhalt sind nicht die Gleichen wie bei Tiktok. Ebenso würde die überwiegende Mehrheit der Nutzer von beruflichen sozialen Netzwerken wie LinkedIn eher weniger Musik-Posts erwarten. Es spricht allerdings überhaupt nichts dagegen, auf einer Plattform eine Zielgruppe zu bespielen und auf einer anderen Plattform eine andere. Als Beispiel: Foto-Posts mit Landschaften in Schwarz/Weiß auf Insta und Bildungs-Themen auf Twitter sind völlig in Ordnung.

Daher ist die Frage nach der Zielgruppe die, nach der sich viele andere Entscheidungen richten. Es ist auch keinesfalls notwendig, das berufliche Leben auf Twitter fort zu führen. Viele Leute auf Twitter twittern zum größten Teil nur über berufliche Themen (Lehrerinnen und Lehrer sehr oft nur über Schulthemen) und sehr selten über andere Dinge, manche nutzen Twitter, um auf Artikel in ihrem Blog hinzuweisen und andere zeigen auf Twitter, Instagram, LinkedIn, TikTok oder anderen Plattformen eine komplett andere Seite oder ein Hobby, das nichts mit dem Beruf zu tun hat. Alles in Ordnung. Nicht das Thema ist wichtig, sondern …

Authentizität

Wer bist Du bzw. wer willst Du sein auf einer Social Media Plattform? Im Unterscheid zu Aschenputtel muss niemand um Mitternacht flüchten, um die Verwandlung vor anderen zu verbergen. Es sollte nur nicht ein andauerndes Springen zwischen Aschenputtel, dem Froschkönig und den Muppets sein. 😉 Authentizität und eine gewisse Konsistenz helfen deutlich, vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe. Unterscheiden sich die beiden Bilder des Auftritts und der gewünschten Aussage des Auftritts, wird es schwer werden, einen authentischen Auftritt in einem sozialen Netzwerk zu haben. Dazu kommt eben auch die Entscheidung, ob eine wachsende Zahl von Followern gewünscht ist oder das eher eine niedrige Priorität besitzt.

Sichtbarkeit

Ist Deine «Marke» bereits bekannt? Offline und/oder online? Besitzt Du einen «Ruf»? Engagierst Du Dich bereits seit längerer Zeit zu einem bestimmten Thema, so dass Leute in sozialen Netzwerken bereits von Dir gehört haben könnten? Dann kannst Du nicht einfach mit einem komplett anderen Auftritt z.B. auf Twitter starten und erwarten, dass dies keine Verwirrung auslöst. Wer offline oder auf anderen Plattformen das genaue Gegenteil von dem vertritt oder verbreitet, was dann auf einer Social Media-Plattform geteilt wird, wird sicherlich ein Stirnrunzeln ernten.

Privat oder Beruflich?

Willst Du «persönlich/privat» und «beruflich/professional» trennen? Viele Leute auf Twitter, gerade auch im Bildungsbereich haben in ihrem Profil ausdrücklich den Zusatz «private Meinung», «Privater Account» oder ähnliche Formulierungen. Dennoch wird dann fast ausschließlich über schulische Themen getwittert. Das ist verständlich, da viele nicht einfach mit ihrem Klarnamen twittern oder «unkonventionelle» Positionen vertreten können, ohne irgendwann Probleme mit dem Arbeitgeber/Dienstherren zu bekommen. Viele suchen sich in den sozialen Medien aber auch Themen, die überhaupt nichts mit dem Beruf zu tun haben (Sport, Hobbys, etc.) und trennen so Berufliches und Privates. Das hat den Vorteil, dass einem in diesen Bereichen dann keine Agenda unterstellt wird (ganz gleich, ob es eine gibt oder nicht). Jemand, der beispielsweise beruflich im Vertrieb für ein bestimmtes Produktsortiment tätig ist, wird immer bei Äußerungen zu diesem Thema anders bewertet werden als jemand, der keine beruflichen oder finanziellen Interessen in diesem Bereich hat. Diese «Agendafreiheit» macht auf Twitter oft vieles einfacher.

Dazu kommt auch die Frage des Nutzernamens. Klarname oder Pdeusonym? Erkennbares Bild oder abstrakter/comic-hafter Avatar? Auch im Bereich der Lehrerinnen und Lehrer gibt es große Unterschiede, wie auch bei anderen Nutzergruppen. Einige sind mit Klarnamen und Bild unterwegs, andere haben im Profil nicht einmal das Bundesland. Auch hier hängt es wieder davon ab, welche Inhalte verbreitet werden. Es ist aber auch klar, dass (vor allem, wenn eine Präsenz auf mehreren Plattformen besteht) immer das Risiko besteht, diese Art der «Deckung» zu verlieren. Wer beispielsweise als Lehrperson ein Blog schreibt, kann schon aus Gründen des Impressums bzw. der DSGVO kaum komplett inkognito auftreten. Auch hier gelten unter Umständen besondere Vereinbarungen oder Regelungen mit dem Arbeitgeber, die beachtet werden wollen.

Konsistenz

Es schreibt sich leicht: «Sei konsistent und ändere Deinen Auftritt und Deine Themen nicht dauernd». In der Praxis und über längere Zeiträume ist dies nicht immer einfach. Interessen ändern ich, berufliche Tätigkeiten und Positionen verändern sich. Meist geschieht dies aber über die gerade erwähnten längeren Zeiträume. Andere Personen folgen Dir auf Twitter aufgrund Deines Inhalts. Diese «Content» sollte einigermaßen konsistent sein. Wer heute über Angeln, morgen über Bildung und dann die Woche darauf in einer anderen Sprache über Kochrezepte twittert, wird es schwer haben, seine Follower zu behalten. Dies bedeutet nicht, dass Du monothematisch unterwegs sein musst oder nur über ein Thema twittern darfst. Natürlich ist jemand immer ein Mensch mit verschiedenen Gedanken, Facetten und Interessen. Wenn Dir egal ist, ob und wie viele Follower Du hast, kannst Du stündlich das Thema wechseln. 😉 Willst Du vor allem lesend partizipieren oder möchtest Du aktiv Inhalte verbreiten? Je weiter sich Deine Entscheidung auf letzteres verlagert, umso wichtiger wird diese Konsistenz im Inhalt. Hätte MTV plötzlich begonnen, klassische Klaviermusik zu spielen, hätte sich das deutlich in den Zuschauerzahlen bemerkbar gemacht.

Es gibt als Ausnahme von der Regel eine Gruppe von Auftritten in sozialen Medien oder in Blogs, denen gerade aufgrund dieser Themenwechsel oder der Vielzahl von Themen gefolgt wird: die Sammler interessanter Themen, Überblicks-Teiler (die im Englischen oft als «aggregation blogger» bezeichnet werden). Hier ist (wie beim «Panorama»-Teil einer Zeitung die Mischung und Vielzahl der Themen Programm. Viele Leute folgen solchen Accounts einfach aufgrund der interessanten Posts, zusammengetragenen Neuigkeiten oder aufgrund des kursorischen Überblicks zu einzelnen Themen.

Das Handwerk

Beherrsche Deine Werkzeuge. Dieser simple Grundsatz gilt auch für Twitter und andere soziale Medien. Dazu gehört nicht nur die Optimierung des eigenen Workflows und der eigenen Werkzeuge. Das korrekte Zitieren von Quellen, das Einhalten von Lizenzbedingungen und die Angabe von Bild- oder Informationsquellen sind ein Zeichen von Professionalität bzw. schlicht notwendig. Ob es um Zeitpunkte für Tweets geht (jeder sollte wissen, wie Tweets zeitlich geplant werden können) oder um die Erstellung von Bildbeschreibungen, all das ist Beherrschen des Handwerkszeugs.

Dazu gehört aber auch eine gewisse «Netiquette», das Bedanken für Inspirationen (das oft gelesen «h/t» ist z.B. eine Abkürzung für «hat tip», also das Ziehen des Hutes als Dank), die Angabe von Informationsquellen (wenn schon Studien, Grafiken oder andere Aussagen zitiert werden, dann gehört da auch eine Quelle hin, sonst ist es nur «Bla Bla»).

Letztlich ist dies ebenfalls Teil der Bildung einer eigenen «Marke» bzw. einer eigenen Online-Präsenz: «own your words» (so schreibt Scott Hanselman auf Twitter und in seinem Blog regelmäßig). Inhalt ist wertvoll, umso mehr wenn er für Suchmaschinen «unique» und selbst produziert ist. Aus diesem Grund sollte auf Social Media-Plattformen immer nur auf den eigenen Inhalt verlinkt werden. Eine eigene Domain kostet kaum mehr als 10 Euro im Jahr, Webspace gibt es ebenso günstig und damit bist Du Inhaber Deiner eigenen Worte. Wird bei anderen Plattformen publiziert, können diese nach Belieben Werbung schalten, Inhalte entfernen oder im schlimmsten Fall geschlossen werden. Willst Du der Pächter Deiner eigenen Worte sein? Natürlich ist der Aufbau einer eigenen Online-Präsenz bzw. einer gewissen Zahl von Followern eines langwierige Aufgabe und 99.9% werden nie Geld damit verdienen. Aber dennoch. Es ist gut für die Erweiterung des eigenen Netzwerks, bringt neue Verbindungen und die Freiheit, über die Nutzung der eigenen Inhalte selbst zu entscheiden.

Bilder für das Banner: geralt / pixabay.de und PhotoMIX Company / pixabay.de

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