Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Ich schreibe beruflich schon lange relativ viel (was bei einer Tätigkeit im Bereich der Softwaredokumentation, Halten von Training für eine Softwareplattform, Informations- und Wissensmanagement auch über die letzten 20 Jahre auch verständlich ist), daher lief das Blog immer nur so nebenher mit. Es gab Jahre, da habe ich gar keinen Blogpost geschrieben. Auf zumindest ca.a zwei Posts jeden Monat kam ich erst die letzten sieben Jahre. Wenn ich alle Blogposts pro Jahr als Diagramm visualisiere, dann lässt sich sogar erkennen, dass ich 2018 schreibtechnisch in der Arbeit etwas weniger ausgelastet war und auch mein Buch über Single Malt Whisky, das hauptsächlich 2022 und 2023 entstand, lässt sich aus dem Diagramm herauslesen.

So gesehen war es ein produktives Jahr, dieses 2025. Zumindest was die Anzahl meiner Blogposts angeht. 😎 Wer sehen will, was da in den einzelnen Jahren entstanden ist, alle Posts gruppiert nach Jahren sind in dieser Liste zu finden.
Es gibt aber noch einen anderen Grund. Wie viele andere habe ich den kommerziellen Plattformen des (un)social media den Rücken gekehrt. Alles weg, sogar WhatsApp (was bei bestimmten Leute ein echter Segen sein kann 😉). Lediglich das Fediverse ist geblieben und seit Ende 2022 habe ich dort eine neue Community gefunden, sowohl für meine Foto-Posts als auch für das Thema Mikro-Blogging / Kurznachrichten. Ja, im Fediverse gibt es durchaus auch Angebote für längere Texte, aber das habe ich lieber auf meinem eigenen Server und in plattformunabhängiger Form als eine Markdown-Datei pro Post in einem Repository.
Das “small web” aus persönlichen Blogs, interessanten Tech-Bloggerinnen und -Bloggern und und die Nutzung von RSS sowie das Wiedererstarken von Blogringen (wie ÜberBlogr oder Blogs50plus) hat mich wieder dazu gebracht, mehr und mit mehr Freude zu schreiben und an dieser Renaissance der schon so oft totgesagten “Blogosphäre” teilzuhaben.
Schreiben ist für mich trotz aller beruflichen Aktivität immer auch Entspannung, Sortieren der eigenen Gedanken und “notes to self”. Mein Blog ist kein monothematisches Blog wie beispielsweise bei vielen Lehrkräften, Softwareentwicklern oder Fotografen. Obwohl ich (also es bei Twitter noch das sogenannte “Twitterlehrerzimmer” gab) ziemlich viele Beiträge mit Bildungs- bzw. Lehrkräftebezug schrieb, habe ich im Lauf der letzten Jahre bemerkt, dass ein Blog auch Arbeit sparen kann. Einmal einen Blogpost schreiben (auch wenn es zuerst nur für mich selbst ist, weil ich Dinge behalten oder Erkenntnisse für mich aufschreiben möchte) und dann reicht es zukünftig, einfach die URL mit dem Permalink zum Blogpost weiter zu geben.
Ich habe für mein Blog keine direkte Anbindung ans Fediverse. Klar könnte ich das, wenn ich eine Plattform nutze wie WordPress oder andere mit einem ActivityPub-Plugin. Das erfordert aber IMHO zu viel Aufwand. Den ganzen Stack aus PHP, WordPress, MySQL und allen Plugins zu managen, wenn ich doch schreiben will und nicht Software pflegen, das ist mir zu schwergewichtig. Ich nutze einen “static site generator” (Hugo, für alle, die es wissen wollen) und meine Posts leben als Markdown-Datei mit allen evtl. Bildern pro Post in einem Verzeichnis.
Wenn ich einen Blogpost erstellt habe, dann ist das manuelle Verfassen einer Nachricht im Fediverse mit dem Link zu Blogpost eine Sache von Minuten. Vielleicht will ich auch nicht automatisch jeden Blogpost ins Fediverse pusten und zusätzlich kommt nur ein kleiner Teil meiner Leserinnen und Leser aus dem Fediverse. Mittlerweile habe in Zeiten der überbordenden KI-Crawler das Thema Statistik mehr oder weniger komplett aufgegeben. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht, weil ich für mich schreibe und vielleicht der eine oder andere Artikel für jemand von Nutzen ist oder der Inspiration dient.
Ganz einfach: wahrscheinlich so wie das Diagramm oben. Schwankend nach Lust oder Unlust am Schreiben, je nach Zeit und Ideen oder Dingen, die ich für später verfügbar haben möchte. Wobei ich ehrlich gesagt schon Freude daran hatte, wie in 2018 über 40 Artikel in einem Jahr zu schreiben.
Und we weiß? Mit dem sich hier und da abzeichnenden Trend zu mehr analogen Werken, Journaling mit “Tinte auf toten Bäumen” bei der Gen Z, vielleicht gibt es irgendwann ein Zine oder eine per guter alter Post versendete Version. Jedenfalls wird es nichts geben, was den kommerziellen Plattformen und Datenkraken oder den Ki-Saugern noch mehr Input liefert. Warum nicht ein Blog haben, das Crawler einfach dadurch aussperrt, dass es passwortgeschützt ist? Ich will für Menschen schreiben und nicht für Maschinen.
Übrigens tue ich das auch gerne mal mit Halbgeviert- oder Geviertstrichen und anderen Dingen aus der Mikrotypografie. Ganz einfach, weil ich das Jahrzehnte vor irgendwelchen LLMs gelernt habe und nicht einsehe, damit aufzuhören, weil diese LLMs das von mir und anderen gelernt haben oder Leute glauben, dadurch einen mit Hilfe von generativer KI erstellten Text zu erkennen. Oder glaubt Ihr, dass ein LLM in der Lage wäre, einen Text wie diesen hier zu erstellen?
In diesem Sinne: kommt alle gut ins neue Jahr und auf hoffentlich noch viele, viele weitere Blogposts.
Lizenz für diesen Post CC-BY-SA 4.0