Beruf, Erfahrung, Leistung, Mentoring

Ich habe vor etwa zehn Jahren einige Bücher und Interviews mit Leuten gelesen, die in Ihrem Beruf wirklich aufgingen und damals ein gemeinsames Muster gefunden. Da ich anfang des Jahres wieder einige Biographien und Blogposts zu diesem Thema gelesen habe und jemanden als Mentor berate, war das Thema Anfang des Jahres wieder aktuell. Also habe ich in meinen Aufzeichnungen und im Backup eines schon lange nicht mehr existierenden Blogs gegraben und diesen Artikel wieder reaktiviert.

Leistung und Erfahrung im Vergleich

Das Diagramm soll dieses gefundene Muster (den Zusammenhang zwischen Leistungsfähigkeit und Erfahrung) verdeutlichen. Dabei steht die X-Achse für die Zeit im Beruf. Die dunkelblaue Kurve wird auf der Y-Achse als die dabei gewonnene Erfahrung aufgetragen. Die orangerote Kurve stellt die berufliche Leisungsfähigkeit im Verlauf des Berufslebens dar. Dabei ergeben sich fünf meiner Meinung nach interessante und charakteristische Punkte, die in der Grafik mit den Buchstaben von “A” bis “E” markiert sind.

A – das explorative Lernen

Zu Beginn der Tätigkeit ist viel Leistung vorhanden, allerdings gepaart mit wenig Erfahrung. Ähnlich einem Wagen ohne Traktionskontrolle sollte nur “wenig Gas” gegeben werden. Alles ist neu, alles sieht interessant und auch machbar aus, es gibt aber noch keine Erfahrung, auf die man für komplexe Entscheidungen aufbauen könnte. In dieser Phase kann jeder viel von einem Mentor profitieren.

B – der junge Sprinter

Die ersten Erfahrungen sind gemacht und man kann sich orientieren, was wichtig ist, auf neue Anforderungen kann schnell reagiert werden, denn es sind Leistungsreserven vorhanden. Dies ist die “was kostet die Welt”-Phase. Allerdings lauern auch Gefahren; viele der schlimmsten beruflichen Fehlschläge entstehen in dieser Phase, den die eigenen Fähigkeiten (die Kombination aus Erfahrung, Leistung und dem Lernen) werden überschätzt.

C – den Gipfel genießen

Der Gipfel der Leistungsfähigkeit ist erreicht (auch wenn für einen selbst oft der Eindruck ensteht, er sei schon vorbei). Ein großer Erfahrungsschatz hilft bei Herausforderungen, blockiert aber noch nicht neue Denkansätze. Die eigenen Grenzen können realistisch eingeschätzt werden und werden oft deutlich unter denen des jungen Sprinters kommuniziert (das berühmte “Ich weiß, dass ich nichts weiß”). Man kennt sein Geschäft, schätzt neue Herausforderungen und gilt bei jungen Einsteigern als erfahrener Veteran.

D – der Punkt des Rückzugs

Irgendwo in diesem Bereich sollte idealerweise der Ausstieg geplant werden. Solange die Leistungsfähigkeit noch größer als die Erfahrung ist, macht die berufliche Tätigkeit Spaß, auch wenn manchmal bereits die Grenzen der Leistungsfähigkeit deutlich werden. Dies kann durch Erfahrung und Intuition ausgeglichen werden. Falls möglich, ist es nun an der Zeit, neue Ufer anzusteuern und Aufgaben an jemand in der Phase C oder einem Team aus B und E anzuvertrauen. Familäre Prioritäten tauchen oft nach jahrelanger Unterbewertung wieder auf.

E – der Mentor und Autor

Dies ist die Phase des “ein Buch darüber schreiben”. Der enorme Schatz an Erfahrungen soll nicht einfach in Vergessenheit geraten. Strategie ist hier weit wichtiger als Taktik. Für das hektische Tagesgeschäft sind die Leute an Punkt B und C da, jetzt bleibt Zeit für Resümees, Entwürfe und Mentorentätigkeiten. Gelentliche Einsätze als “rettender Engel” im Team werden als willkommene Gelegenheit gesehen, nochmal mit den jungen Wilden zu reiten und den Scout zu spielen. Wie oben geschildert, folgen hier oft Veröffentlichungen, für die sonst keine Zeit war und für deren Erstellung und Gliederung jetzt die Erfahrung da ist.

Was denken Sie darüber? Kennen Sie jemand an einem der Punkte? Lassen Sie uns auf Twitter darüber diskutieren!

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