Invasionen, Theater und der richtige Zeitpunkt

Viele Leute, vor allem die jüngeren, kennen Alec Guiness nur in seiner Rolle als Obi Wan Kenobi in «Star Wars». Eine Rolle, von der sich der Schauspieler früh distanzierte und die er in den Episoden 5 und 6 wohl nur deshalb übernahm, weil er eine Beteiligung von 2.5% an den Einnahmen ausgehandelt hatte. Eine Summe, die im für den Rest seines Lebens erlaubte, nur noch Rollen anzunehmen, die er wirklich spielen wollte.

Sir Alec Guiness spielte allerdings nicht nur Kapitäne und andere militärische Rollen, er war auch ein Veteran des II. Weltkriegs. Ihm gebührt wahrscheinlich die Ehre, als erster Soldat der alliierten Streitkräfte bei der Invasion Siziliens europäischen Boden betreten zu haben. Und dies aufgrund Verzögerungen und Kommunikationsschwierigkeiten …

Nach dem Ausbruch des Krieges meldete sich Alec Guiness, der damals bereits Schauspieler war, im Alter von 27 Jahren bei der Royal Navy als Matrose. 1941 erhielt er eine Ausbildung auf der Fregatte HMS Raleigh. Seine praktische Abschlussausbildung erhielt er im Anschluss auf der HMS Quebec, wo er 1942 zum Unteroffizier und 1943 zum Leutnant ernannt wurde. Er wurde nach Boston abkommandiert, um dort sein erstes Kommando anzutreten, den Befehl über ein alliiertes Landungsboot. Trotz deutscher Luftangriffe auf sein Boot konnten er und seine Besatzung in Nordafrika landen, wo sie für die «Operation Husky» (die Invasion Siziliens) trainierten.

In der Nacht vom 9. auf den 10. Juli sollte die Invasionsflotte an der sizilianischen Küste anlanden. Die Vorbereitungen auf dem Landungsboot von Alec Guiness verzögerten sich und aufgrund von Kommunikationsproblemen erfuhr er nicht, dass die Invasion wetterbedingt um eine Stunde verschoben wurde. Das einsame Landungsboot mit 200 Mann stampfte also durch die stürmische See in Richtung Sizilien und landete beim Kap Passero an der Südostspitze Siziliens. Wahrscheinlich traf das Boot noch vor den ersten Luftlandeeinheiten ein und so war ein patriotischer britischer Theaterdarsteller zur Speerspitze der alliierten Invasion in Südeuropa geworden.

Später wurde er von einem mißgünstigen Commander der Royal Navy angeklagt, zu spät statt zu früh gelandet zu sein. Dem Offizier war die Schauspielkarriere von Alec Guiness ein Dorn im Auge und er war der Meinung, Schauspieler hätten in militärischen Positionen nichts verloren.

Die Entgegnung von Alec Guiness ging in die Geschichte ein: «Sie werden mir als Schauspieler die Bemerkung erlauben, Sir, dass, im West End Theater in London, wenn der Beginn der Vorstellung für 8 Uhr Abends angekündigt war, er sich auch um 8 Uhr hob und nicht eine Stunde später. Etwas, an dem sich die Royal Navy ein Beispiel nehmen könnte, Sir.«

In späteren Jahren gab Sir Alec Guiness auf die Frage nach seiner besten Rollen folgende Antwort:

When, nowadays, I am asked what I consider the best performance I have given, I reply, ‘That of a very inefficient, undistinguished, junior officer in the Royal Navy Volunteer Reserve’. It also proved to be the longest-running show I have ever been in.
(Alex Guiness)

Bei «Star Wars» waren übrigens eine ganze Reihe von Weltkriegsveteranen beteiligt. Einen interessanten Artikel finden Sie hier.

Bildnachweis: Zeichnung von Alec Guiness, gezeichnet von Nicholas Volpe 1957, nachdem Guinness für seine Rolle in «Die Brücke am Kwai» einen Oscar erhielt (das Bild ist Public Domain).

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