Elternbeirat? Elternbeirat!

Du machst Elternbeirat? Ernsthaft?

Die obige Frage wurde mir von Bekannten gestellt und brachte mich zum Nachdenken. Ist ein elterliches Engagement heutzutage noch «in», sprich sinnvoll? Macht es denn einen Unterschied, wenn Sie sich als Eltern engagieren? Oder soll sich doch die Schulleitung um den Betrieb kümmern und für Schulveranstaltungen einen Caterer bestellen …

Heute fand in der Schule meiner Tochter der Klassenelternabend nach den Sommerferien statt. Ein Punkt der Tagesordnung war auch die Wahl des neuen Elternbeirats für die nächsten beiden Jahre. Nun ist der Elternbeirat nicht das wichtigste Gremium an der Schule, aber doch die Vertretung der Erziehungsberechtigten.

Der Artikel 65 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes formuliert das wie folgt:

Der Elternbeirat ist die Vertretung der Erziehungsberechtigten der Schülerinnen und Schüler sowie der früheren Erziehungsberechtigten volljähriger Schülerinnen und Schüler einer Schule; Art. 74 Abs. 2 Satz 2 findet Anwendung. Er wirkt mit in Angelegenheiten, die für die Schule von allgemeiner Bedeutung sind.

Klingt nicht nach «Nichtstun» oder «Unnötig», wenn ich mir die Aufgaben des Elternbeirats nach dem BayEUG ansehe.

Mir als Erziehungsberechtigtem wäre es daher nicht egal, in welcher Umgebung mein Kind den Großteil des Tages verbringt. Nun hat die Schule meines Kindes etwas über 700 Schülerinnen (ja, nur Schülerinnen, aber das ist ein anderer Blogpost). Sie dürfen jetzt raten, wie viele gültige Stimmzettel (von knapp über 700 theoretisch möglichen) bei der Wahl des Elternbeirats abgegeben wurden: es waren exakt 74. In etwa 10,5%. Ich gestehe, ich war heute Abend kurz etwas frustriert.

Wir leben in einer Zeit, in der Individualismus und Selbstverwirklichung groß geschrieben werden. Gleichzeitig verschwimmt für viele Eltern die Grenze zwischen Beruf und Freizeit immer mehr. Organisationen, die nur über ehrenamtliche Tätigkeit bestehen können (vom Sportverein über Schulbus-Begleitung bis zur Feuerwehr), kämpfen um Mitglieder. Scheinbar bietet ein gemeinschaftliches Engagement für Viele keine Vorteile mehr. Scheinbar ist es unnötig, sich irgendwo im Umfeld der Kinder zu engagieren. Scheinbar wird sich schon jemand drum kümmern, dass das Alles irgendwo läuft.

Nein, ich bin mittlerweile nicht mehr frustriert. Warum erzähle ich im zweiten Teil dieses Blogposts. Vor allem auch deshalb, weil sich das großartige Team des alten Elternbeirats mit Ausnahme der Eltern, deren Kinder mit dem Abschluss die Schule verließen, komplett wieder bereit erklärt hat, wieder im Elternbeirat mit zu arbeiten. Auch wenn Ihr nicht alle hier mitlest, dafür kann ich Euch gar nicht genug danken! ❤️

Wie sich an aktuellen Entwicklungen zeigt, entsteht gerade bei unseren Kindern ein vermehrtes Bewusstsein für gesellschaftliche Herausforderungen, für die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in einer Gemeinschaft und die gegenseitige Unterstützung. Gerade in unserer Schule besteht der Begriff der «Schulfamilie» wirklich zu Recht und alle Neuankömmlinge bemerken schnell, dass Zusammenhalt keine Worthülse ist. Unsere Töchter sollen sich in einer Welt zurecht finden, die von komplexen, wechselseitigen Abhängigkeiten geprägt ist, in der es immer mehr darauf ankommt, zu kooperieren und gemeinsamen zu einem Ziel zu finden.

Dies alles lernen unsere Kinder nicht nur in der Gruppe der Gleichaltrigen, sondern auch vom Rollenvorbild der Eltern. Sei es vom Verhalten anderen gegenüber, das Verhalten gegenüber Umwelt und Schöpfung oder der Umgang mit Kolleginnen und Kollegen im Beruf: wenn hier Anspruch bzw. Aussage den Kindern gegenüber und das eigene Verhalten nicht übereinstimmen, werden Kinder das bemerken. Nun muss niemand Dutzende von Stunden pro Woche ehrenamtliches Engagement vorweisen. Bereits kleine Gesten, Hilfsbereitschaft und das Interesse an dem Ort, an dem unsere Töchter einen Großteil des Tages verbringen, haben eine große Wirkung.

Eine Mitarbeit im Elternbeirat ist eine einfache Möglichkeit, sich innerhalb der Schulfamilie zu engagieren, unseren Kindern zu zeigen, dass wir eben keine Konsumentenhaltung gegenüber der Schule einnehmen, sondern interessiert am Leben der Schulfamilie sind. Natürlich ist der Einfluss des Elternbeirats begrenzt, aber die Liste oben zeigt auch, dass die Vertretung der Erziehungsberechtigten in der Schulfamilie eine Stimme hat und über das Schulforum durchaus Einfluss. Bei ungefähr vier Sitzungen pro Schuljahr und etwas Mithilfe bei Veranstaltungen und dem Schulforum kommen über ein ganzes Jahr verteilt vielleicht 10 Stunden zusammen. Weniger als eine Stunde im Monat, in der Sie aber tatsächlich daran mithelfen können, für Ihre Tochter die schulische Welt zu gestalten, zu verbessern und sich mit anderen Eltern und der Schulleitung auszutauschen und gemeinsamen an einem wichtigen Ziel zu arbeiten: Kinder, die erleben, dass Gemeinschaftsgeist und Engagement auch im lokalen Bereich sinnvoll sind und Ergebnisse bringen. Das alte «Think global, act local», dass sich unter Jugendlichen wieder mehr und mehr durchsetzt und das wir als Eltern unterstützen sollten.

Da für dieses Schuljahr die Elternbeiratswahlen gelaufen sind, haben Sie jetzt ein Jahr Zeit, drüber nachzudenken, was Ihre Kinder wohl besser finden werden, wenn Sie später auf ihre Schulzeit zurück blicken: dass es Ihnen egal war, was an der Schule passiert oder dass Sie sich für den «Arbeitsplatz» Ihrer Kinder interessiert haben und das pro Monat für weniger Zeit als zwei Folgen irgendeiner TV-Serie. Machen Sie mit!

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