Twitter Spaces

Social Audio bei Twitter

«The Race is on» könnte der Titel des Posts auch lauten. Nachdem «social audio» als neue Kommunikationsform im Netz aufgetaucht ist (mit der üblichen Verspätung von 18 Monaten, siehe meinen Post zu Clubhouse), begann die Jagd auf Clubhouse. Dass so ein Format durchaus seine Berechtigung hat, habe ich hier beschrieben.

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Auch Twitter hat nun mit «Twitter Spaces» ein solches Produkt im Angebot. Voller Optimismus habe ich im Januar ein Online-Formular ausgefüllt und den Zugang zur Beta-Feedback-Gruppe beantragt und siehe da, am Freitag dann die Überraschung, beim Tippen auf die «Compose»-Schaltfläche auf dem Smartphone!

Compose button in Twitter app

An dieser Stelle eine ganz kurze Einführung, was “*social audio*” bedeutet (für mehr Details verweise ich auf meinen Post zu Clubhouse. Es gibt einen oder mehrere Moderatoren und eine bestimmte Anzahl von »Sprechern« und die »Zuhörer«. Wer etwas zur Diskussion beitragen möchte, kann virtuell die Hand heben. Dies wird der Moderatorin angezeigt, die Redeberechtigungen vergibt (und auch wieder entziehen kann). Wer gerne nur zuhören möchte, kann das natürlich auch. Links zu solchen Audioräumen sind im Normalfall öffentlich (wobei es bei Clubhouse auch private Räume gibt).

Ich wollte dann für Abends gleich eine Runde von Leuten einladen und stieß gleich auf den ersten Unterschied zu Clubhouse: es gibt aktuell noch keine Möglichkeit, einen »Space« zu erstellen und den Link im voraus zu teilen. Nun will man nicht die Twitter-App über Stunden so laufen lassen, daher habe ich mich damit beholfen, die Ankündigung zu twittern und darauf zu verweisen, dass ich den Link zum »Space« dann zum Zeitpunkt des Beginns twittern werde. Da es sich bei der aktuellen Funktionalität um eine Beta-Version handelt, kann sich das natürlich immer ändern.

Mein Tweet mit der Ankündigung

Dieser erste Gesprächsabend (an dieser Stelle herzlichen Dank an alle Teilnehmer, es war ein höchst interessantes Gespräch, dass sich über mehrere Themen zog) brauchte dann auch die ersten Erkenntnisse und Vergleichsmöglichkeiten zu Clubhouse, auf die ich in den nächsten Absätzen eingehe.

Die Oberfläche der App ähnelt der von Clubhouse, es gibt allerdings keine visuelle Unterscheidung zwischen der “Bühne” mit den Sprechern und dem Publikum, sondern bei Twitter Spaces werden die Rollen bei den einzelnen Teilnehmern angezeigt. Ich bin mir noch nicht sicher, welches die bessere Methode ist. Bei Twitter ist das wahrscheinlicher leichter, da die Anzahl der Personen, die gleichzeitig die Rolle “Sprechen” haben können, auf 10 beschränkt ist. Bei einem Talk mit vielen und häufig wechselnden Sprecher:innen ist dann gute Moderationsleistung nötig. Ich finde die Maximalzahl von 10 Personen in Ordnung. Es ist ja immer zu beachten, dass dies die Leute sind, die sprechen können, es aber nicht müssen. Auch Clubhouse mit Bühnen, auf denen 15 Leute sind, kann nur immer eine Person zur gleichen Zeit sprechen, sonst wird es unverständlich. 😉

Sprecher:innen können entweder vorher definiert werden (alle TN oder alle TN, denen ich folge oder ein definierter Personenkreis, der per Direktnachricht eingeladen wird) oder im Verlauf der Diskussion geändert werden. Damit kann ich auch Leute einladen, denen ich nicht folge oder die mir nicht folgen, solange sie ihre Direktnachrichten freigeschaltet haben.

Zur Signalisierung von Reaktionen des Publikums können die Teilnehmer mit Emojis um sich werfen (und sich, sofern sie sich gegenseitig folgen, auch privat Emojis senden). Das ist meiner Meinung eindeutig ein Vorteil gegenüber Clubhouse, wo ich keine Möglichkeit habe, Zustimmung, Ablehnung oder Applaus zu signalisieren.

Die Audioqualität ist wie bei Clubhouse, aber auch hier kommt es auf das Equipment an. Ab und an hakt es noch etwas, aber auch Twitter Spaces ist wie gesagt noch im Beta-Stadium. Falls zwei oder mehr Personen versuchen, gleichzeitig zu sprechen, kommt nur abgehaktes Zeug an, während Clubhouse das IMHO etwas besser hinbekommt. Bei Twitter bin ich dagegen begeistert, wie gut die Unterdrückung von Hintergrund und Nebengeräuschen funktioniert. Ich musste in den zwei Stunden vielleicht drei Mal mein Mikrofon stummschalten, ansonsten hat die Software gut erkannt, wann Stimme übertragen und wann Geräusche ausgeblendet werden sollen.

Was ich mir wünsche, ist ein deutlicherer visueller Indikator für einen Sprechwunsch. Ich habe zwei Leute längere Zeit übersehen, weil da unter dem Avatar statt “Zuhörer” oder “Sprecher” nur “Sprechwunsch” steht (nebenbei: warum steht hier “Zuhörer” statt einer nicht geschlechtsspezifischen Form?).

Bild vom Twitter Space

Es gibt noch den einen oder anderen “Glitch”, was die Anpassung an die deutsche Sprache angeht (abgeschnittener Text oder nicht gut passende Übersetzungen), aber auch das ist dem Beta-Status der Software geschuldet. Damit komme ich auch gleich zum wichtigsten Problem dieser “Beta”: das Ding schluckt Akkustrom wie andere Leute Kaffee! Während ich bei Clubhouse nach eineinhalb oder zwei Stunden nur ein leidlich handwarmes Smartphone in der Hand halte, das danach noch genug Saft für weitere Aufgaben hat, wird zumindest mein iPhone richtig warm (deutlich über der Körpertemperatur!) und nach zwei Stunden war ich von 92% Akku runter auf 30%! Hier besteht eindeutig noch Bedarf zur Verbesserung.

Ansonsten fehlt mir wie bereits geschrieben noch eine Möglichkeit, einen permanenten Link zu einem »Space« vorab veröffentlichen zu können und dem »Space« auch einen Namen geben zu können (das ist aber laut Informationen auf der Twitter Website bereits geplant).

Der eigentliche Plan für meinen Test ging leider nicht auf: da Clubhouse ja derzeit “iOS only” ist, ging ich davon aus, dass Twitter bei der Betaversion sowohl die iOS-Variante als auch die für Android unterstützen würde. Haha, falsch gedacht! 🤪😆

Natürlich geht auch Twitter den Weg, die wirtschaftlich und werbetechnisch interessantere Plattform zuerst zu testen. Die Beta-Version der Twitter-App für Android kann aber immerhin schon einen »Space« eröffnen. Damit bleibt auch das Zuhören für alle Android Nutzer:innen mit einer normalen Twitter-App derzeit nur ein Wunsch…

Ich bin gespannt, wer als nächster der „big player“ aus der Deckung kommen wird und die nächste Version von „*social audio*“ vorstellt. Die letzten Wochen auf Clubhouse und dieser erste Test mit Twitter »Spaces« haben gezeigt, dass dieses Format ein enormes Potenzial hat, gerade auch im Bereich der Bildung oder bei Veranstaltungen, um die übliche „Q&A“-Session zu gestalten. Mehr als eine sprechende Person, interaktiv, aber auf Wunsch nur zuhörend und nichts als ein Smartphone erfordernd, ist diese Art von Apps ein echter Gewinn. Wer wissen will, warum das kein Podcast und keine (nehmen wir mal an, wir hätten gerade keine Pandemie) Gesprächsrunde bei einer Veranstaltung leisten kann, sei nochmals auf diesen Beitrag verwiesen.

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