TaskCards — Teil 2

TaskCards, die Zweite

Das ist der zweite Teil meiner Begleitung eines interessanten Projekts der Firma «dsign-systems»: die Schaffung einer schulorientierten und den DSGVO-Richtlinien entsprechenden Version von Padlet. Der erste Teil mit einer Einschätzung der ersten Iteration der Software ist hier zu lesen. Hier findet sich auch die Erläuterung des Grundkonzepts.

Seit heute (9. März 2021) ist ein neue Updates verfügbar, mit dem die Funktionalität der Software deutlich erweitert wurde. Wer wissen möchte, was sich genau geändert hat, kann seit diesem Update auch direkt auf das Update-Log von TaskCards zugreifen.

Browser vorbereiten!

Ich hatte zu Beginn des Tests der neuen Version Probleme, weil mein Browser stur die alte Version anzeigte. Auch ein Löschen des Caches brauchte nichts. Erst das explizite Löschen aller gespeicherten Website-Daten für taskcards.de hat geholfen. Im Firefox findet sich diese Einstellung beispielsweise unter den Einstellungen und da «Datenschutz & Sicherheit» und dort bei der Option «Cookies und Website-Daten». Wird das nicht gemacht, bleibt der Browser bei der alten Version, also nicht wundern…

Was ist neu?

Mehr Menü-Optionen

Dass sich mit dem Update einiges getan hat, zeigt allein der Blick auf das neue Seiten-Menü, das über das «Hamburger-Icon» links oben ein- und ausgeblendet werden kann. Damit das Bild nicht zu lang wird, habe ich die beiden Hälften nebeneinander gestellt. Die wichtigsten Dinge werde ich in diesem Blogpost behandeln.

Das neue Menü

Tokens für Pinnwände

Alle IDs sind jetzt von einfachen Zahlen auf «Tokens» (in Form einer UUID) umgestellt. Anstelle von

https://www.taskcards.de/#/dashboards/246

sehen die Links jetzt also so aus:

https://www.taskcards.de/#/dashboards/0c25e2c8-877c-11ecfb79d-a85a45af5840

Hinweis: das ist noch keine Sicherheit! Es ist jetzt nur wesentlich unwahrscheinlicher, einfach durch Eintippen der ID einer Pinnwand auf einer fremden Pinnwand zu landen. Wenn ich die URL habe, kann ich die Pinnwand (zumindest in dieser Version 0.12.1) immer noch einfach anzeigen.

Private und öffentliche Pinnwände

Es gibt nun öffentlich und private Pinnwände, daher kann bei der Bearbeitung der Pinnwand jetzt auch angegeben werden, ob es sich um eine private Pinnwand handelt oder nicht.

Pinnwand bearbeiten

Zugriffskontrolle

Wenn es öffentliche Pinnwände gibt, macht es auch Sinn, den Zugriff darauf kontrollieren zu können. Dies geschieht über die Auswahl der Option Pinnwand-Zugriff aus dem Seiten-Menü. Dabei kann ich dann einen oder mehrere Zugriffsschlüssel erstellen. Diese beinhalten dann den Zugriff auf die komplette Pinnwand oder nur auf einzelne, ausgewählte Listen, wie die folgende Abbildung zeigt.

Zugriffsschlüssel erstellen

Danach wird ein Zugriffsschlüssel (in Form einer UUID) erstellt, den ich dann anschließend an Schüler:innen weitergeben kann. Wie können diese den Schlüssel dann nutzen? Für die Arbeit als Schülerin oder Schüler ist keine Lizenz von TaskCards nötig. Ich starte als Demo mal einen anderen Browser und bin dort nach dem Start als «Gast» eingetragen.

Der Gast im Browser

Jetzt wird durch einen Klick auf die Menü-Option Meine Zugriffsrechte ein Dialogfeld geöffnet, in dem ich den vorher erzeugten und verteilten Schlüssel eintrage:

Meine Zugriffsrechte

Meine Zugriffsrechte

Wenn ich den Link zur Pinnwand geöffnet habe, erhalte ich Zugriff. Diese wird dann auch im Menü auf der linken Seite angezeigt.

Ansicht der geteilten Pinnwand

Als Autor:in der Pinnwand kann ich nicht nur das Token, sondern auch (seit der Version 0.12.5) direkt einen Link zur Pinnwand kopieren, das das Zugriffs-Token enthält. Dazu klicke ich im Menü auf die Option Pinnwand-Zugriff. Im Dialogfeld werden dann alle vergebenen Zugriffsrechte angezeigt, jeweils mit einem Icon zum Kopieren des kompletten Links oder nur des Tokens.

Bug-Report

Was ich bei den Experimenten während des Schreibens dieses Blogposts feststellte: auch wenn ich den Zugriffsschlüssel wieder aus dem Browser lösche, behalte ich trotzdem Zugriff auf die einmal geteilte Pinnwand. Auch ein Neustart des Browsers ändert daran nichts. Es sind bei der geteilten Pinnwand auch alle Listen sichtbar, obwohl ich bei der Freigabe nur einzelne Listen angegeben hatte. Wie bereits beschrieben: wir befinden uns im Beta-Test, da ist sowas völlig normal. Dies soll nur als Hinweis dienen, nicht in einer Betaversion sensible Daten zu posten.

Likes!

Das ist jetzt nicht die essenzielle Funktion, auf die ich gewartet habe und die Entwickler scheinen etwas liebesbedürftig zu sein 🤣, denn wenn ich in einer Karte das kleine Herz anklicke, kann ich das «Like» mit einem erneuten Klick nicht wieder entfernen. Aber auch das wird wahrscheinlich bald behoben.

QR-Codes

Im Menü gibt es jetzt auch die Möglichkeit, den Link zu einer Pinnwand direkt in einen QR-Code zu verpacken und als .png-Grafik herunterzuladen.

Mehr als ein Dateianhang pro Karte

Seit diesem Update sind auch mehrere Dateianhänge pro Karte möglich, die insgesamt bis zu 100 MByte umfassen können.

Hinweis: ich hatte gehofft, dass auch die Anzahl der Hyperlinks erhöht würde, aber da muss ich wohl noch etwas warten, es gibt pro Karte immer noch einen einzigen Link.

Farben in Hülle und Fülle

Der Farbwähler für die Einstellung der Farben wurde ebenfalls verbessert. Das ist meiner Meinung aber nicht das wichtigste, sondern die Tatsache, dass ich jetzt für eine Pinnwand eine Hintergrundfarbe einstellen kann und somit dem wabernden Farbverlauf entgehe. 👍 Ich habe auf Twitter schon gehört, dass viele diesen Farbverlauf chic finden, aber mich hat das extrem abgelenkt. Jetzt ist Ruhe und ich kann Pinnwände mit einer Farbe pro Thema kennzeichnen…

Was auch sehr praktisch ist: es lassen sich nun Links von einer Pinnwand zu einer anderen als Karte erzeugen. Damit steht einer «Übersichts-Pinnwand» nichts mehr im Weg. 👍 Dazu wird einfach aus dem Menü für neue Einträge in einer Liste der Punkt «Neue Pinnwand-Verlinkung erstellen» ausgewählt.

Dialog zum Verlinken einer Pinnwand

Nach der Auswahl öffnet sich ein leicht abgewandelter Dialog mit den Daten für eine Karte. Dort kann das Token (ja, das Token, nicht der Link! Argh! 😝) eingetragen werden. Das war das erste Mal, dass ich beim Testen dieser Version «farbige Metaphern» benutzt habe, wie Mr. Spock sagen würde1. Es gibt einen Eintrag im Menü für das Kopieren des Links zur Pinnwand, es gibt einen QR-Code und dann muss ich die Token-UUID zu Fuß aus der Adresszeile des Browser kratzen, um sie hier eintragen zu können? Srsly?

Dialog mit den Daten zum Verlinken einer Pinnwand

Ich weiß, ich habe schon mehrmals geschrieben, dass es eine Beta-Version ist und die Software erst ein paar Wochen alt ist. An dieser Stelle aber ein Hinweis aus Sicht von jemand, der nicht nur einmal beim Design einer Software dabei war und der jahrelang als Software-Trainer gearbeitet hat: hier bitte so bald als möglich

  • eine Möglichkeit, per Drop-Down aus den Titeln meiner Pinnwände auszuwählen
  • eine Möglichkeit zur Suche nach Pinnwänden anhand des Titels

einzubauen. Warum? Weil es den alten Spruch gibt: «UX eats functionality for breakfast». An solchen Kleinigkeiten entscheidet sich bereits in der Anfangszeit einer Software (gerade bei einer Zielgruppe, die nicht unbedingt die offene Kommandozeile als Bild auf dem Nachttisch stehen hat), ob das Ding fliegt oder nicht. Dieser Vorgang (neuer Tab, TaskCards dort öffnen, die Pinnwand aussuchen, in die Adresszeile klicken, die Token-UUID rauskopieren, Tab wieder zu, das Token im ersten Tab einsetzen) wird IMHO für viele Nutzer:innen ein echter Stolperstein werden. Es darf nicht mehr als ei halbes Dutzend UI-Operationen kosten, hier einen Wert einzutragen.

Diverses

Ich kann jetzt über einen Menüeintrag eine komplette Pinnwand kopieren. Das ist praktisch, wenn ich für den Unterricht einen Großteil des Materials benötige (Löschen ist immer einfacher als eingeben) und erlaubt eine Art von Schablonensystem.

Das Update-Log spricht von «vielen UI-Verbesserungen», die ich gerne glaube und intuitiv wahrscheinlich gleich genutzt habe. Es ist allerdings immer noch so, dass ich als Anhänger von Tastenkombinationen (hier ist Trello nach wie vor ungeschlagen) immer wieder versuche, Dialogfelder mit [ESC] zu schließen oder Karten mit den Pfeiltasten zu verschieben. Mal sehen, was hier in den nächsten Roll-Outs noch zu erwarten ist.

Damit sind auch gleich beim Thema «Ich brauche aber noch…» – es gibt jetzt direkt und ganz oben im Menü eine Karte mit Feature Requests / Wünschen. Hier der aktuelle Stand vom Dienstag (9.3.) Abend:

feature requests

Entweder den Eintrag öffnen und mit einem Klick auf das Herz abstimmen oder einen neuen Eintrag erstellen. Ich bin mir sicher, dass die Produktentwickler von TaskCards nochmal eine eigene Bewertung vornehmen, aber so als Ausblick, was die Nutzer:innen am meisten wünschen, ist das sehr wertvoll.

~Eine persönliche Kleinigkeit: wieso ist der Menüeintrag für «Meine Pinnwände» so weit unten im Menü? Das ist das, was ich haben will, wenn ich TaskCards öffne.~ Seit der Version 0.12.5 findet sich Meine Pinnwände unter den ersten Menüpunkten, großartig. 👍

Das Beste am Schluss

Ich möchte jubeln! Und ein Großteil der diesen Blogpost lesenden LuL wird sich wundern. Die Leute von TaskCards.de haben verstanden, was bei so einem Tool wirklich wichtig ist: ein strukturierter Export als JSON! ❤️ Leute, Ihr wisst nicht, dass Ihr das braucht. Aber hat jemand schon mal versucht, aus einem Padlet eine Spalte zu exportieren und in einem anderen Format weiter zu verarbeiten? Seht Ihr? 😉 Diese Funktion (und eine hoffentlich später noch kommende Funktion für einen strukturierten Import als JSON) sind für einen produktiven Einsatz ein KO-Kriterium. Wer hierzu mehr wissen möchte, dem seien dieser Artikel und dieser Artikel empfohlen. Ich werde dazu nochmal einen weiteren Blogpost schreiben, in dem ich zeige, warum das echt cool ist. Danke, TaskCards!

JSON-Export

Wie macht man den Linkshänder glücklich? ;-)

Fazit

Ein cooles Update. Es gibt ein paar «glitches», aber das ist wie bereits mehrfach geschrieben eine Software im Beta-Test. Unabhängig von der Abstimmung zu den Feature Requests gibt es nur drei Sachen, die mich mehr als einmal zu einem «🤬😣😠» verleitet haben und von denen ich hoffe, dass sie bald adressiert werden:

  • Tastenkombinationen. Für jedes [ESC] in einem Dialog während des Schreiben des Blogposts und ich könnte die Entwickler jetzt auf ein Bier einladen 😉
  • Überarbeiten des UX für das Verlinken von Pinnwänden – pretty please?
  • Das Löschen von Zugriffsschlüsseln solle den Zugriff auch wirklich unterbinden

Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Was ich für mich aber schon beschlossen habe. Beim geplante Preis von ca. 5€ pro Monat werde ich auch als Nicht-Lehrer eine Lizenz kaufen!


Kommentare

2021-03-10

Super Beschreibung, danke! Jetzt weiß ich, wie meine Schüler*innen zu der eigens für sie eingerichteten Pinnwand kommen. Das wird hoffentlich wirklich mal einfacher.

2021-03-10

Dank deiner guten Beschreibung habe ich das nun mit den Zugriffsrechten verstanden. :D Über Padlet lief das für mich recht einfach. Hier ist es tatsächlich auch einfach aber anders. Danke. :) LG Beatrice


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