Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Ab und zu mache ich gerne bei Blogparaden mit, wenn mir das Thema gefällt. Dieses hier ist so ein Thema. Denn ich kommuniziere tatsächlich schriftlich außerhalb des Blogs. 😉
Der Links zum Einstiegs-Blogpost von Jürgen findet sich hier: https://www.blogissimo.de/blogparade-relevant-brief-e-mail-chat/ und das Blog von Erik liegt hier: https://happybuddha1975.de
Die Fragen, die Erik und Jürgen stellen:
Schreibt ihr noch Briefe? Wann versendet ihr eine E-Mail? Nutzt ihr gerne Messenger zum Chatten? In welchen Fällen schreibst du einen Brief, verfasst du eine E-Mail oder chattest du? Versendest du manchmal auch noch Faxe? Wie sieht es mit Postkarten aus?
OK, die Frage nach dem Fax fasse ich jetzt mal als netten Gag auf. Nachdem sogar die Bundesbank Anfang Januar 2025 (!) Ihren Faxempfang abgeschaltet hat, sollte dieses Thema wirklich langsam in der Versenkung verschwinden. 😎
Natürlich sitze ich lange am Tag vor einer Tastatur. Die meisten Texte erfasse ich digital als Datei, keine Frage. Aber ich schreibe auch tatsächlich öfter mit der Hand, so richtig mit “Tinte auf toten Bäumen”. 😎
Dazu kommt eine Besonderheit, die ich mit etwa 10% der Bevölkerung gemeinsam habe: ich bin Linkshänder. Ich schreibe und zeichne von Anfang an mit der linken Hand. Aber dazu weiter unten mehr…
Ich bin bei der Wahl meines Schreibgerätes nicht auf einen Typ festgelegt. Es darf durchaus neben dem Füller auch ein Kugelschreiber, Rollerball, Bleistift oder Gelstift sein, aber die Qualität muss stimmen. Und ich bevorzuge eine Strichbreite von 0.7 bis 1 mm, ich habe lieber feine Formulierungen als feine Federn. 😆
Neben dem Schreibtisch stehen ein paar Moleskine und andere Notizbücher, in denen ich Ideen festhalte, Skizzen oder auch Vorträge strukturiere. Funktioniert schnell und offline und übt die Handschrift. Nachteil ist die fehlende Suchfunktion 😆, da ist dann Blättern und ein gutes Gedächtnis gefragt.
Mein umfangreichstes Schreibwerk habe ich hier in einem eigenen Blogpost beschrieben.
Briefe sind etwas Schönes und ich gebe zu, dass ich viel zu wenige davon schreibe. Allein die Arbeit, einem Brief einen sauberen Inhalt zu geben erfordert Nachdenken und Strukturierung. Daher entstehen Briefe, die länger sind als eine halbe Seite eigentlich zwei Mal. Einmal als Gekritzel und Entwurf auf einem Blatt und dann in einer Form, die Empfängerin oder Empfänger auch tatsächlich lesen können.
Ab und zu dann auch gerne mal mit Randnotizen oder der einen oder anderen kleinen Zeichnung.

Ein alljährliches Ritual sind Weihnachtskarten. Weihnachtsgrüße per Mail schreibe ich eigentlich selten und wenn dann als Erwiderung. Freunde und Familie bekommen persönliche Weihnachtsgrüße oder bei großer Entfernung eine handgeschriebene Weihnachtskarte. Diese werden teilweise sogar selbst hergestellt. Dann bekommt jeder Empfänger eine Karte mit individuellem Inhalt. Nicht nur mit Füller, sondern inklusive goldenem Glitzerstift, Weihnachtszeichnungen, einer Skizze oder Tinte in verschiedenen Farben.
Das Schöne daran ist, dass Du als Antwort (oder als erster) oft wunderbare Karten bekommst, wie die unten abgebildete, die von einem Schlittenhunde-Gespann zur Poststation gefahren wurde!

Urlaubskarten werden dagegen digital verschickt, weil wir dazu einen Dienst nutzen, bei dem wir eigene Bilder hochladen können und bei dem die Ansichtskarten dann im Zielland verschickt werden. So sind aktuelle Urlaubsbilder kein Problem und die Karte kommt nicht erst Weihnachten an.
Ich schrieb oben, das ich bei der Wahl des Schreibgeräts relativ flexibel bin. Allerdings habe ich ein paar “Lieblingsstücke”, mit denen ich, wenn es über schnelle Notizen hinausgeht, schreibe.

Ich würde (bzw. bin bisher) noch nicht soweit, für einen Füller einen vierstelligen Betrag auszugeben, aber ein guter und schöner Füller von LAMY, Faber Castell oder Waterman ist schnell dreistellig. Dazu kommt dann noch die breite Linkshänder-Feder, die sich beim Schreiben aber auch bemerkbar macht.
Unabhängig davon, ob jemand später hauptberuflich tippt oder nicht, ich finde das Entwickeln einer eigenen (und lesbaren!) Handschrift als Teil der persönlichen Entwicklung wichtig. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem Du etwas für andere Leute aufschreiben musst und wenn Deine Handschrift mit 30 und im Beruf stehend dann aussieht wie die Grundschülers oder als hätte Dir Ea-nāṣir eine Quittung ausgestellt, dann ist das irgendwie blamabel. Eine geübte Handschrift zeugt davon, auch Zeit und Übung zu investieren. Das sollte auf unterschiedlichen Medien und mit unterschiedlichen Schreibgeräten möglich sein. Wer schon einmal als Teilnehmer in einem Workshop saß und gesehen hat, was Leute auf einer Flipchart als “Schrift” bezeichnen, weiß was ich meine. 😆
Ja, ich nutze gerne Chat und Instant Messenger, sogar schon als es noch IRC und BBS hieß. 😉 Allerdings bevorzuge ich dafür wenn möglich eine halbwegs brauchbare Tastatur (wie bei meinem iPad). Für das Smartphone habe ich eine kleine faltbare Tastatur, die erstaunlich gut ist. Oder ich stelle das Smartphone in die große Bluetooth-Tastatur, damit ist schriftliche Kommunikation dann auch stundenlange möglich, wenn die Chatpartner so lange durchhalten.

Das Rumgewische auf der virtuellen Tastatur führt nur zu seltsamen und lustigen “Fipptehlern”. Ich bin ja nicht seit über 40 Jahren in der IT, dass ich jetzt auf diesen kleinen Displays rumwische statt zu tippen… 🤣 🤣
Darüber brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Im Job ist trotz Chat die eMail immer noch die dominierende Form der schriftlichen Kommunikation.
Ich erlaube mir allerdings bei privaten Mail einen kleinen Seitenhieb auf die Kultur der ständigen Online-Erreichbarkeit und nutze oft folgende Mailsignatur:
Ein Hinweis:
Ich nehme mir ein oder zwei Tage Zeit, um meine E-Mails zu lesen und eventuell weitere Tage, um darüber nachzudenken und in Ruhe zu antworten. Die Kultur der ständigen Erreichbarkeit und die digitale Hektik vertragen sind nicht mit der von mir gewünschten Qualität meiner Mails.
Wer will, kann das gerne übernehmen. 😎
Das war doch noch was? Ja, ich bin Linkshänder. Sieht man auch an meinem Benutzernamen im Fediverse: https://bildung.social/@Linkshaender 😎
Interessanterweise benutze ich beim Essen das Besteck wie ein Rechtshänder. Da ich meine Kindergartenjahre aufgrund der Berufstätigkeit meiner Mama bei meiner Oma ein Stockwerk tiefer verbrachte, hat mir meine Oma das so gezeigt und so halte ich auch das Messer rechts. Trinkgläser stehen allerdings links, was manche Restaurant-Kraft schon zur Verzweiflung getrieben hat, weil angenommen wurde, dass jemand da falsch aufgedeckt hat. 😉
Die “verkehrte” Richtung beim Schreiben als Linkshänder erfordert (vor allem mit Füller) eine gewisse Übung, aber nach der Grundschule war das eigentlich kein Thema mehr. Am ersten oder zweiten Schultag (hey, 1970!) wollte mir die Lehrerin erzählen, dass ich doch die “schöne Hand” benutzen sollte. An nächsten Tag ging mein Papa mit in die Schule. Ich weiß bis heute nicht, was er ihr erzählte, aber ab diesem Tag durfte ich links schreiben. 🤗
Ein Vorteil, den ich mit vielen anderen Linkshändern gemeinsam habe: das Schreiben in Spiegelschrift ist nicht viel langsamer ist als das Schreiben von links nach rechts. Das kleine Video unten zeigt das in Originalgeschwindigkeit. Sorry für den Fokus auf meiner Schreibhand, aber das Smartphone war nicht davon zu überzeugen, dass die Schrift interessant ist.
Auch digital bin ich “links” unterwegs. Die Maus ist auf der linken Seite, die “rechte Maustaste” ist bei mir die linke und ich nutze eine ergonomisch geformte vertikale Linkshänder-Maus.

Nach über 40 Jahren an einer Tastatur habe ich gelernt, dass eine ergonomische Umgebung, egal ob Tastatur und Maus oder Schreibwerkzeuge und Unterlage, extrem wichtig ist für das Wohlbefinden und die Gesundheit ist.
OK, ein kleiner Blogpost zum Thema “Wie kommunizierst Du schriftlich?”. Und was wurde es? Ein long-read mit über 1100 Worten! 😆 Wenn Du bis hierher durchgehalten hast, vielen Dank für Dein Interesse!
2026-01-23 19:56
Danke für deine Teilnahme. Ich habe den long read komplett gelesen 🙂
Beim Essen ist es bei mir übrigens umgekehrt. Obwohl ich Rechtshänder bin, halte ich das Messer in der linken Hand 😮
Erik von blogissimo.de
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