Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Zollkiesel statt Meilensteine
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Die anderen Teile des Reiseberichts
Nach dem Frühstück im Hotel checke ich aus und muss an der Rezeption nochmal erklären, wo ich während meiner Tour mit der Vespa schon überall war. Der Signore an der Rezeption fährt selbst eine 125er Vespa, aber er meint, dass er in den Urlaub lieber mit dem Auto fährt. 😆
Ich packe alles wieder auf meiner 300GTS und gefühlt ist es nochmal wärmer als gestern. Visuelle Kühlung bekomme ich bei der Fahrt Richtung Westen, denn etwa einen halben Kilometer nach dem Hotel liegt der Sitz der Firma Carpigiani, einer der bekanntesten Hersteller von professionellen Eismaschinen aus Italien. Hier in Anzola ist auch die “Gelato University”, wo sich alles zum Thema Speiseeis machen lernen lässt.
Beim Kreisverkehr, der auch zum “Ristorantino da Dino” führt, biege ich in Richtung Norden nach Budrie ab. An Crevalcore vorbei auf die SS568. Beim Frühstück hatte ich wohl zuwenig Kaffee, denn ich fahr eine Ausfahrt zu früh aus einem Kreisverkehr und mache einen auch der Tourenkarte deutlich sichtbaren Schlenker Richtung Osten über Canaletto bis nach Finale Emilia. Dort hebe ich meinen Koffeinspiegel (ja und auch ein Fanta 😉) wieder auf ein vernünftiges Maß und dann geht es zurück in Richtung Mirandola und auf die SS12, auf der ich im Prinzip jetzt bis zum Brenner bleibe, kleinere Exkurse und Ausflüge ausgenommen. 😎
Bei Revere überquere ich den Po in Richtung Norden. Irgendwo auf dem Weg nach Nogara biete mal rechts ab, fahre auf der SP47a nach Casaleone und über Cerea wieder Richtung Westen nach Nogara, weil mir die Strasse einfach gefiel. Es hat Vorteile, allein zu reisen. Ich kann die Route fahren, die ich fahren möchte, muss nicht auf jemand warten und wenn ich für ein Foto oder eine kleine Pause stehen bleiben möchte, dann tue ich das. Eine Tour mit einer größeren Gruppe ist bestimmt auch schön, aber sowas wie dieser kleine Umweg ginge dann nicht.
Bei Nogara geht es wieder auf der SS12 weiter in Richtung Verona über Buttapietra, im Süden von Verona bei Cadidavid fahre ich auf die “Tangenziale Sud”, die Umgehung, die entlang der Autobahnen um Verona führt und umrunde Verona im Südwesten. Kurz nach Domegliara würde nochmal eine Abzweigung zum Gardasee locken, aber die Etappe für heute ist schon lang genug. Also weiter in Richtung Norden auf der SS12.
Die Strecke bin ich vor knapp einer Woche voller Erwartungen in Richtung Süden gefahren und jetzt geht es bereits wieder heimwärts. Meine Erwartungen wurden aber auch mehr als erfüllt, es war eine wunderbare Tour bis jetzt! Crocetta, Ceraino, Peri. Dort tanke ich nochmal voll bei einem Tankwart, der mir erzählt, dass er selbst zwei alte Vespas hat, eine sogar von 1962!
Nach Ala und Rovereto nehme ich dieses Mal wieder die Umgehungsstrasse in Trento. In Salurn möchte ich eigentlich bei einer kleinen Bar an einer Tankstelle eine Mittagspause machen, aber die haben zu. 😝 Zwischen Salurn im Süden und Tramin im Norden verläuft übrigens ungefähr die Sprachgrenze zwischen Italienisch und Deutsch. Salurn spricht italienisch, während man in Tramin noch gut mit Deutsch zurecht kommt. Etwas weiter die SS12 entlang komme ich an der Pizzeria/Bar “Jolly” vorbei und mache dann eben hier meine Mittagspause.
Frisch gestärkt (ja, natürlich mit einem doppio machchiato und einer Fanta 😉) geht es weiter in Richtung Bozen und dann die letzten 80 Kilometer durch Südtirol hoch zum Brenner. In Feldthurns bleibe ich dem dem im Hang verbauten Supermarkt nochmal stehen und kaufe einige Flaschen Mineralwasser, dann geht es weiter.
In Sterzing fahre ich nochmal zum Tanken. Bei der gleichen Tankstelle, an der ich am Freitag die Woche vorher ebenfalls getankt habe. Als ich beim Zahlen erzähle, dass ich letzte Woche auch hier war zum Auftanken und dann weiter gefahren bin bis in die Maremma, grinst der Tankwart und meint: “Ah, und jetzt ist der Tank leer und Du kommst zum Vollmachen? Deine Vespa ist ganz schön sparsam!” 😆🤣
Ich bleibe nochmal stehen und mache als “Wegmarkierung” ein Foto von der Rosskopf-Seilbahn, das ich nach Hause schicke, damit Andrea und Amelie wissen, wie weit ich schon bin.
Dann die letzten Kilometer die alte Brennerstrasse hoch bis zur Landesgrenze, hinein nach Österreich und noch ein paar Kilometer bis Steinach am Brenner, wo ich für heute mein Hotel gebucht habe.
Nach knapp über 400 Kilometern (die zweite Mammut-Etappe dieser Tour) checke ich verschwitzt (von wegen auf dem Brenner ist es kühler) und müde im Hotel “Zur Rose” in Steinach ein. Die Vespa bekommt einen noblen eigenen Motorrad-Stellplatz in der Tiefgarage!
Ich selbst mache mich frisch und gehe ein paar Schritte spazieren, beim Geldautomaten vorbei und sehe auf dem Rückweg von der Bank bei der Pizzeria “Vipitenum” eine Menge Leute sitzen, immer ein gutes Zeichen. Erstmal wieder daran gewöhnen, dass jetzt nicht mehr in Italienisch bestellt wird. Es gibt alkoholfreies Weissbier (isotonisches Fitnessgetränk 😎) und einen hervorragenden Dönerteller!
Vom Hotel aus sehe ich mir auf der Terrasse noch etwa die Landschaft an, gucke den langsam den Brenner herunterrollenden LKWs auf der Wipptalbrücke zu und gehe dann ins Bett.
Morgen geht es nur noch eine kurze Etappe nach Hause!
Falls Ihr die Fahrt nachverfolgen wollt, hier ein kleines Video von rumbo.world zur Strecke dieses Tages.
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