Zollkiesel statt Meilensteine
Digitaler Zettelkasten eines chronisch Neugierigen
Zollkiesel statt Meilensteine
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Die anderen Teile des Reiseberichts
Im Hotel gibt‘s ein ausgiebiges Frühstück. Ich bin nicht mehr in Italien, also baue ich mir am Kaffeeautomaten einen Cappuccino mit einem zusätzlichen Espresso. Es gibt individuell frisch zubereitete Rühreier, lokalen Berghonig und Brezen und Brezensemmeln! Der Hotelier lacht, als ich ihm eine Breeze hinhalte und sage “immer, wenn ich das hier sehe, weiß ich, dass ich nicht mehr weit nach Hause habe”. 😎
Nach dem Frühstück auschecken und dann in aller Ruhe die Vespa beladen. Bei schon bayerisch weiß-blauem Himmel fahre ich wieder auf die B182, die Brennerstraße. Es ist kurz vor 9 und kaum Verkehr. Vor mir an der Ampel steht eine große BMW GS mit einem “IL”-Kennzeichen und einem Pärchen drauf. Wir fahren los und ich genieße die Kurverei über die zwei Dutzend Kilometer runter nach Innsbruck. Die BMW vor mir kommt nicht weg, fast die gesamte Strecke hat eine (s. Tag 1) Geschwindigkeitsbegrenzung und auf den wenigen Stücken freier Strecke kann die 300er gut mithalten. Mit immer zwischen 50 und 200 Meter Abstand kurven wir runter nach Innsbruck und stehen dann an der Ampel unten beim Friedhof nebeneinander. Der Fahrer dreht sich zu mir um, klappt das Visier hoch und ruft rüber “Des is doch koa normale Vespa!” — “Doch, aber a 300er und Du fahrst a bergauf maximal 15 Sekunden raus”, rufe ich zurück und grinse. Wieder einer, der “il Vespone” unterschätzt.
Das passierte mir in dieser Woche öfter. Die Herren (ja, immer) mit den “echten” Motorrädern ignorieren einen und wundern sich dann, während die zwei oder drei weiblichen Motorradfahrerinnen sogar die Hand heben, wenn sie Dich dann überholen. OK, zur Ehrenrettung der dicken Brummer sei gesagt, dass mich bei Franzensfeste in Südtirol ein kleines Rudel Harleys überholte, die haben sogar gehupt und sind langsam und winkend an mir vorbei. 😉 Ich lasse “Innsbruck Land” ziehen und fahre auf der Olympiabrücke über den Inn und dann auf die Inntal-Autobahn. Es folgen etwa 75 Kilometer mehr oder langweiliges Dahinfahren auf der A12, aber so komme ich deutlich schneller durch das Inntal.
In Kufstein Süd verlasse ich die Autobahn und fahre auf der Bundesstrasse nach Kiefersfelden rein, gespannt darauf, wie die so viel Sicherheit bringenden Einreisekontrollen wohl aussehen werden, wenn es sich nicht um eine Autobahn handelt. Wie erwartet: ein einsamer Streifenwagen mit gelangweilt im Schatten stehender Besatzung, die mich komplett ignorieren. Na dann sind wir ja sicher, LOL. 😂
Es wird schon deutlich wärmer, auch auf der Alpennordseite sind es deutlich über 25 Grad, aber die eine oder andere Wolke zeigt sich am Himmel. Über Oberaudorf, Nussdorf, Pfraundorf und Raubling fahre ich nach Rosenheim rein und biege auf die B15 in Richtung Landshut ab. Landshut! Das erste Mal, dass die Stadt wieder auf einem Wegweiser steht. Bald ist meine Tour zu Ende, denke ich. Aber zuerst überlege ich eine alternative Route nach Hause, um nicht wieder wie auf der Fahrt Richtung Süden die B15 zu fahren. Lieber etwas durch das bayerische Hügelland und über die Dörfer gondeln. Daher schwenke ich vor Wasserburg erstmal Richtung Westen auf die B304 und fahre über Reithmehring und Rechtmehring nach Haag in Oberbayern. Nach einem letzen Tankstop auf der Tour geht es weiter Richtung Osten auf die B12 nach Ampfing und dann über Zangberg und Lohkirchen bis kurz vor Neumarkt-St. Veit.
“Da muss es doch irgendwo vor der B299 auf der Landstrasse nach Egglkofen gehen”, denke ich mir etwas ratlos und bleibe bei Lamprechten nochmal stehen. In der Maremma kein Navi brauchen, aber sich dann in Bayern nicht auskennen, jaja… 😆
Ah, ich muss erst über die B299 drüber und dann wieder zurück nach Egglkofen. Von da aus dann ein Stück auf der B299 und kurz nach Egglkofen steht dann ein Schild an der Bundesstrasse “Landkreis Landshut, Niederbayern”. Ich bin sozusagen wieder daheim. 😊
Ich lasse die Vespa den Hang runter nach Vilsbiburg reinlaufen und überquere die Vilsbrücke in der Stadt. Nach dem Stadttor geht es Richtung Seyboldsdorf weiter, ich habe noch keine Lust, direkt auf der B299 nach Landshut zu fahren. In Dietelskirchen fahre ich auf der ST2054 nach Geisenhausen und hole mir bei der Bäckerei Rauchensteiner oben an der Kreuzung ein spätes Frühstück, ich habe wirklich Hunger bekommen.
Als ich da auf der Terrasse sitze, sehe ich eine Frau und einen Mann neben meiner Vespa stehen und diskutieren. Als sie an mir vorbeikommen und meinen Helm und die Handschuhe sehen, grinsen sie. “Die bekommt auch gleich ein Frühstück, wir waren gerade in der Südtoskana”, sage ich. “Oha, Respekt! Mit dem Ding?”, meint der Mann. Wir kommen ins Gespräch und ich schwärme von meinem “il Vespone” 300GTS und wo ich in der Woche war. “Schöner Roller”, sagt die Frau, “aber wir haben ja die Harley zum fahren”. Jetzt bin ich dran mit “Oha”, ich habe die wirklich schöne Maschine schon stehen sehen. Als Zweitfahrzeug wäre die Vespa aber schon schick, da sind wir uns alle drei einig. 😉
Von Geisenhausen aus (ich habe da mal über sieben Jahre bei einem Software-Anbieter gearbeitet), geht es über die Fimbacher Strasse nach Hohenegglkofen und dann rechts weg in Richtung Jenkofen für einen letzten Schwenker auf die ST2045 den Isarhang runter nach Schweinbach, das schon zu Landshut gehört. An der Ampel in Schönbrunn gucke ich nach oben und sehe, dass sich der Himmel mittlerweile zu über zwei Dritteln zugezogen hat. Was denn? Wo bleibt die Sonnenbestrahlung dieser Tour? Vielleicht doch ganz gut, dass ich fast zuhause bin. An der alten Kaserne rechts nochmal auf die Konrad-Adenauer-Strasse und über die beiden Isararme und dann links nach Piflas rein. Ja, das ist Ergolding, aber wer kennt das außerhalb Niederbayerns? Landshut kennen mehr und die beiden Orte sind mittlerweile zusammengewachsen. Mit einem breite Grinsen rolle ich zuhause auf den Parkplatz und stelle die Vespa ab. Geschafft, wieder daheim! Nach einer Woche und etwa 2300 Kilometer.
Nach einer herzlichen Begrüßung und Umarmung von meiner Frau kommt Chico an die Reihe, der gar nicht mehr weiß, wo er zuerst hinlaufen soll und der bellend und fiepend um mich herumspringt. Ich lade alles ab und wir schleppen die Sachen in die Wohnung. Ausgepackt wird später!
Zehn Minuten später fängt es an zu regnen. Wenn das kein Timing war, dann weiß ich es auch nicht! 😂🤣
Falls Ihr die Fahrt nachverfolgen wollt, hier ein kleines Video von rumbo.world zur Strecke dieses Tages.
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